Alexandra Pirici. Aggregate

12. August – 17. August 2017

Eröffnung: Freitag, 11. August, 18 Uhr

Alexandra Pirici, 2016 © Jens Ziehe
Kuratorin: Raluca Voinea

Der Neue Berliner Kunstverein präsentiert die erste Einzelausstellung von Alexandra Pirici in Deutschland. Als lebendiges Environment angelegt, bildet die Ausstellung
Aggregate den Rahmen für über 80 PerformerInnen, die zusammen mit den BesucherInnen den Ausstellungsraum in einer Schwarmbewegung definieren. Basierend auf verkörperten Erinnerungen, die Fragmente eines gemeinsamen Welterbes verhandeln, nimmt das Werk Bezug auf Versuche der Menschheit, wesentliche Aspekte ihres Daseins in Zeitkapseln festzuhalten, wie etwa in Form der „Voyager Golden Records“ der NASA, die ausgewählte Informationen zum Leben auf der Erde anderen, außerirdischen Spezies zur Verfügung stellen sollten.

Pirici thematisiert eine solche „Arche“ als Prozess, in dem Informationen subjektiv selektiert und transformiert werden, welche sich in Kategorien einfügen wie Lebensformen, Sound von der Erde, kulturelle Errungenschaften, wissenschaftliche Techniken und Erkenntnisse, aber auch unbelebte Objekte und Nicht-Einzuordnendes. Die ausgewählten Elemente werden im Prozess ihrer Übertragung redefiniert. In
Aggregate passiert dies in einem ständigen Strom der Körper, der die BesucherInnen der Ausstellungen umfasst; durch Inszenierung entstehen und verschwinden ausgewählte, geteilte Erinnerungen aus verschiedenen Kanons und historischen Zeitabschnitten. Dabei adaptiert, vervielfältigt und verstärkt das lebende Environment individuelle und kollektive Vorschläge; Vorgänge und Bilder – sowohl kanonische als auch nicht eindeutig identifizierbare – durchlaufen einen Prozess der Abstraktion, der Verkörperung, Einverleibung und Neuproduktion. Durch die Hybridisierung des Einen mit dem Vielen, wird das, was archiviert wird, erkennbar als grundsätzlich multipel, als stets im Werden begriffen.

Aggregate lädt dazu ein, zu erleben, wie wir unsere Identität im Kollektiv definieren und welche Rolle dabei die selektive Rückbesinnung auf Erinnerungen, die wir für unser Selbst in Gegenwart und Zukunft bewahren möchten, spielt. In der Auseinandersetzung mit Piricis Projekt wird auch die übliche Distanz zwischen Kunstwerk und BetrachterIn dekonstruiert, indem die Masse der PerformerInnen den Raum besetzt und die Bewegung des Publikums anregt und beeinflusst. Der Kunstraum wird hinterfragt und gemeinsam definiert. Die Bewegung zum Kunstwerk hin wird Teil des Werks selbst, indem das Werk aus Bewegung hervorgeht.

Alexandra Pirici (*1982 in Bukarest) lebt und arbeitet in Bukarest. Zuletzt waren ihre Projekte u. a. zu sehen: Berlin Biennale (2016), Tate Modern, London, und Tate Liverpool (2016); Off-Biennale Budapest (2015); Manifesta 10, St. Petersburg (2014); Centre Pompidou, Paris (2014); Van Abbemuseum, Eindhoven (2014); Museum of Modern Art, Warschau (2014); Kunsthalle Fridericianum, Kassel (2014); Venedig Biennale (2013). 2015 erhielt sie den Excellence Award des National Dance Center, Bukarest. In 2017 ist Alexandra Pirici u. a. Teilnehmerin der Skulptur Projekte Münster.

Performancezeiten:
Samstag – Mittwoch 14–18 Uhr / Donnerstag 18–20 Uhr
Montag geschlossen

Artist Talk
Sonntag, 13. August 2017, 19 Uhr
Mit Kasper König (Künstlerischer Leiter Skulptur Projekte Münster 2017), Alexandra Pirici, and Raluca Voinea (Kuratorin, Kodirektorin tranzit.ro association)
Ort: Rumänisches Kulturinstitut Berlin, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin, Saal 2, Eingang D
In englischer Sprache

Freier Eintritt zu allen Veranstaltungen