VALIE EXPORT. Forschung – Archiv – Werk

9. Juni – 12. August 2018



VALIE EXPORT. Forschung – Archiv – Werk, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2018 © Neuer Berliner Kunstverein / Jens ZieheVALIE EXPORT. Forschung – Archiv – Werk, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2018 © Neuer Berliner Kunstverein / Jens ZieheVALIE EXPORT. Forschung – Archiv – Werk, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2018 © Neuer Berliner Kunstverein / Jens ZieheVALIE EXPORT, 2017, Foto: Violetta Wakolbinger © VALIE EXPORT Center Linz
VALIE EXPORT gilt als eine der wichtigsten Vertreter*innen konzeptueller Medien-, Performance- und Filmkunst, sie prägte mit ihren feministischen und medienkritischen Werken Generationen von nachfolgenden Künstler*innen nachhaltig. Der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) widmet VALIE EXPORT die erste repräsentative Ausstellung von Werken und Archivalien in einer deutschen Institution seit 15 Jahren.

Von Beginn ihrer Karriere an setzte sich EXPORT mit einer immer stärker mediatisierten Gesellschaft auseinander und befragte deren Funktionsweisen, Leitbilder und Kommunikationsmechanismen. 1968 – in dem Jahr, in dem Frauenrechtsbewegung und Studentenproteste die bürgerliche Gesellschaft herausforderten – lenkt EXPORT mit Aktionen wie
Tapp- und Tastkino oder Aktionshose Genitalpanik den Blick auf den weiblichen Körper und die Einschreibungen, die die Gesellschaft in jenem vornimmt. Doch auch über diese inzwischen kanonischen Werke hinaus schafft EXPORT in den 1980er und 1990er Jahren ein Œuvre, das medienreflexiv und politisch das Spannungsverhältnis von Individuum und Gesellschaft beleuchtet. Hierbei lotet die Künstlerin Grenzen des Sicht- und Sagbaren aus und schafft zugleich über Mediengrenzen hinweg Verbindungen zwischen scheinbar disparaten Forschungsfeldern.

Die im n.b.k. präsentierten Werkkomplexe aus fünf Jahrzehnten verdeutlichen die Vielfalt der Themen im Gesamtwerkt von VALIE EXPORT. Sie reichen von der Beschäftigung mit den dichotomischen Spaltungen des Denkens und Handelns in Kultur / Natur oder männlich / weiblich bis zur Verortung des menschlichen und vor allem des weiblichen Subjekts in der Welt – innerhalb eines (konstruierten) Gesellschaftskörpers, der seine Materialisierung unter anderem in der gebauten Stadt findet. Wie Architektur, Technologien und Medien den Menschen (de)formieren, ist dabei zentraler Forschungsgegenstand: In der Ausstellung werden Archivmaterialien und Arbeiten aus dem Werkkomplex der Betrachtungen von Kultur und Natur der 1970er Jahre genauso gezeigt wie solche, die das schreibende, sich durch Schrift konstituierende Subjekt zum Gegenstand haben. In Fotografien, Filmen und Installationen der 1980er und 1990er Jahre begibt sich die Künstlerin auf die Spur des im digitalen Zeitalter fragmentierten und entfremdeten Selbst. Dabei werden in allegorischen Bildfindungen neue Perspektiven erkundet, analysiert und ausgereizt. Die Ausstellung ermöglicht einen Einblick in die Arbeitsweise von VALIE EXPORT, nimmt Aspekte ihrer Praxis der Raum-, Körper- und Medienbefragung in den Blick und unterstreicht zugleich den forschenden Charakter des künstlerischen Prozesses.

Die Kuratorin Sabine Folie hat mit der Künstlerin eine Ausstellung entwickelt, die nach einer ersten Präsentation im Lentos Kunstmuseum Linz in 2017 nun in erweiterter Form unter dem Titel
VALIE EXPORT. Forschung – Archiv – Werk im Neuen Berliner Kunstverein zu sehen ist. Die Präsentation in den Räumen des n.b.k. umfasst wichtige Werke der Künstlerin, die in der Zusammenschau mit Archivalien wie Skizzen, Briefen, Fotos und Notizen den Schaffensprozess von EXPORT in einzigartiger Weise dokumentieren. Die Archivalien kommen aus dem Vorlass der Künstlerin, der seit November 2017 unter der Leitung von Sabine Folie im VALIE EXPORT Center Linz beforscht wird und dort für eine interessierte Öffentlichkeit zugänglich ist.


Biografie
VALIE EXPORT (*1940 in Linz, lebt und arbeitet in Wien) hat seit den 1960er Jahren ein umfangreiches Werk geschaffen, das in den Bereichen Performance, Experimentalfilm, Expanded Cinema und konzeptuelle Fotografie operiert sowie sich in Objekten und Texten mit Kunstgeschichte und Feminismus auseinandersetzt. 2015 erhielt EXPORT den österreichischen Frauen-Lebenswerk-Preis sowie das Große Goldene Ehrenzeichen der Stadt Linz für Verdienste um die Kultur. Zuvor wurde ihre künstlerische Praxis mit zahlreichen weiteren Auszeichnungen gewürdigt, u. a. dem Yoko Ono Lennon Courage Award for the Arts (2014, zusammen mit Laurie Anderson, Marianne Faithfull, Gustav Metzger), dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst (2005), dem Alfred-Kubin-Preis (2000), dem Oskar-Kokoschka-Preis (2000) und dem Gustav-Klimt-Preis (1998). EXPORTs Arbeiten wurde in zahlreichen Einzelausstellungen weltweit präsentiert, u. a.: Lentos Kunstmuseum Linz (2017; 2010); Kunsthaus Bregenz (2011); MUSEION Bozen (2011); Österreichische Galerie Belvedere, Wien (2010); Centre Pompidou, Paris (2007); Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid (2004); Akademie der Künste, Berlin (2003); Stedelijk Museum, Amsterdam (1980); Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris (1975). Gruppenausstellungen u. a.: Kunsthaus Zürich (2017); The Israel Museum, Jerusalem (2017); Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien (2017; 2015; 2014); Museum of Modern Art, New York (2016; 2015); Nordstern Videokunstzentrum, Gelsenkirchen (2015); Generali Foundation Wien (2013). VALIE EXPORT war zweimalige Teilnehmerin der Venedig Biennale (Ausstellung Think with the Senses – Feel with the Mind. Art in the Present Tense, 2007; Österreichischer Pavillon, mit Maria Lassning, 1980) sowie der documenta in Kassel (2007; 1997).


Programm Kunstvermittlung

Samstag, 9. Juni 2018, 19 Uhr
Künstleringespräch
mit VALIE EXPORT, moderiert von Sabine Folie (Direktorin VALIE EXPORT Center Linz)

Donnerstag, 28. Juni 2018, 19 Uhr
Performative Strategien und das Archiv
Podiumsdiskussion mit Yilmaz Dziewior (Kunsthistoriker und Kurator, Direktor Museum Ludwig, Köln) und Sigrid Adorf (Professorin für Zeitgenössische Kunst und Kulturanalyse an der Zürcher Hochschule der Künste), moderiert von Bettina Knaup (Kuratorin, Berlin und London)

Sonntag, 12. August 2018, 20 Uhr
Peaches
Performance


Eintritt frei zu allen Veranstaltungen