Thu Van Tran.
Échange de présents.

8. März – 1. Mai 2016



Thu Van Tran. 2016, Foto: Jens ZieheThu Van Tran, Penetrable (2016) / Far East (2016); Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2016, Foto: Jens ZieheThu Van Tran, Échange de présents (2016); Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2016, Foto: Jens ZieheThu Van Tran, Échange de présents (2016); Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2016, Foto: Jens Ziehe
Die Ausstellung im Neuen Berliner Kunstverein ist Thu Van Trans erste Einzelpräsentation in Deutschland. Ausgehend von ihren Erfahrungen als in Frankreich lebende Vietnamesin setzt sie sich in ihrer Arbeit mit der Kolonialgeschichte ihres Geburtslandes und den Auswirkungen von Macht und Ausbeutung auseinander. In ihrem aktuellen Werkzyklus beschäftigt sie sich mit dem Rohstoff Kautschuk, der in diesem Kontext stellvertretend für die Unterdrückung Vietnams unter der französischen Kolonialherrschaft steht. Ausgangspunkt für die eigens für die Ausstellung produzierten Arbeiten ist ein Relief an der Fassade des Palais de la Porte Dorée, der 1931 anlässlich der Kolonialausstellung in Paris erbaut wurde. Hier sind die Völker der französischen Kolonien bei der Gewinnung von Rohstoffen wie Kautschuk und exotische Hölzer dargestellt, im Inneren des Palastes sind im Gegenzug die von Frankreich geleisteten sogenannten „geistigen“ Beiträge zur Zivilisation der indigenen Völker auf einem monumentalen Fresko illustriert. In der Wandarbeit Penetrable (2016) und der Skulptur Échange de présents (2016) greift Thu Van Tran das Material und die Symbolik des Rohstoffs Kautschuk auf und beleuchtet die bittere Ironie der Darstellung des vermeintlichen Austauschs. Ihre Arbeiten führen vor Augen, wie die Geschichtsschreibung mit dem westlichen Blick der Besatzermacht auf die Bevölkerung der Kolonien manifestiert wird. Die Gedächtnisarbeit materialisiert sich in den Fotogrammen Sunstroke (2016) durch Spuren ihrer Notizbücher, Blöcke und Rückstände aus ihrem Atelier. Ferner wird der Super 8 Film Far East (2016) gezeigt, in dem Thu Van Tran die historischen und politischen Verbindungen zwischen Vietnam und der ehemaligen DDR beleuchtet und sich in Berlin auf die Suche nach Spuren und Auswirkungen des gedachten Kommunismus begibt.

Thu Van Tran (*1979 in Ho Chi Minh Stadt / Vietnam) lebt in Paris. Einzelausstellungen (Auswahl): Macleay Museum, Sydney (2016); Les Abattoirs – FRAC Midi-Pyrénées, Toulouse (2016); Galerie Art & Essai, Rennes (2015); Centre d'Art Villa du Parc, Annemasse (2013); Musée éclaté de la Presqu'île de Caen (2013); La Maison Rouge, Paris (2010); Centre Culturel Français de Hanoi (2007); Musée des Beaux-Arts de Mulhouse (2006). Gruppenausstellungen (Auswahl): Maison d’Art Bernard Anthonioz, Nogent-sur-Marne (2015); La Kunsthalle, Mulhouse (2015); Königliche Museen der Schönen Künste, Brüssel (2014); Centre Pompidou, Paris (2014); Le Plateau – FRAC Île-de-France, Paris (2014); Tanas, Berlin (2013); Le Crédac, Ivry-sur-Seine (2013); Palais des Beaux-Arts, Paris (2011, 2006); Kimusa – Artsonje Center, Seoul (2010).

Kuratorin: Silke Wittig

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Die Ausstellung ist am Samstag, den 30. April und am Sonntag, den 1. Mai 2016 von 12 bis 18 Uhr geöffnet.