Alexandra Pirici. Aggregate

12. August – 17. August 2017



Alexandra Pirici. Aggregate, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2017 © Neuer Berliner Kunstverein / Joseph Devitt TremblayAlexandra Pirici. Aggregate, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2017 © Neuer Berliner Kunstverein / Joseph Devitt TremblayAlexandra Pirici. Aggregate, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2017 © Neuer Berliner Kunstverein / Joseph Devitt TremblayAlexandra Pirici. Aggregate, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2017 © Neuer Berliner Kunstverein / Joseph Devitt TremblayAlexandra Pirici. Aggregate, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2017 © Neuer Berliner Kunstverein / Joseph Devitt TremblayAlexandra Pirici. Aggregate, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2017 © Neuer Berliner Kunstverein / Joseph Devitt TremblayAlexandra Pirici, 2016 © Jens Ziehe
Kuratorin: Raluca Voinea
Lichtdesign: Andrei Dinu

Der Neue Berliner Kunstverein präsentiert die erste Einzelausstellung von Alexandra Pirici in Deutschland. Als lebendiges Environment angelegt, bildet die Ausstellung
Aggregate den Rahmen für über 80 PerformerInnen, die zusammen mit den BesucherInnen den Ausstellungsraum in einer Schwarmbewegung definieren. Basierend auf verkörperten Erinnerungen, die Fragmente eines gemeinsamen Welterbes verhandeln, nimmt das Werk Bezug auf Versuche der Menschheit, wesentliche Aspekte ihres Daseins in Zeitkapseln festzuhalten, wie etwa in Form der „Voyager Golden Records“ der NASA, die ausgewählte Informationen zum Leben auf der Erde anderen, außerirdischen Spezies zur Verfügung stellen sollten.

Pirici thematisiert eine solche „Arche“ als Prozess, in dem Informationen subjektiv selektiert und transformiert werden, welche sich in Kategorien einfügen wie Lebensformen, Sound von der Erde, kulturelle Errungenschaften, wissenschaftliche Techniken und Erkenntnisse, aber auch unbelebte Objekte und Nicht-Einzuordnendes. Die ausgewählten Elemente werden im Prozess ihrer Übertragung redefiniert. In
Aggregate passiert dies in einem ständigen Strom der Körper, der die BesucherInnen der Ausstellungen umfasst; durch Inszenierung entstehen und verschwinden ausgewählte, geteilte Erinnerungen aus verschiedenen Kanons und historischen Zeitabschnitten. Dabei adaptiert, vervielfältigt und verstärkt das lebende Environment individuelle und kollektive Vorschläge; Vorgänge und Bilder – sowohl kanonische als auch nicht eindeutig identifizierbare – durchlaufen einen Prozess der Abstraktion, der Verkörperung, Einverleibung und Neuproduktion. Durch die Hybridisierung des Einen mit dem Vielen, wird das, was archiviert wird, erkennbar als grundsätzlich multipel, als stets im Werden begriffen. Die performte Auswahl ist zeitlich durch sich im Laufe der Ausstellung unregelmäßig wiederholende Muster strukturiert, die die Zufälligkeit und das Fragementarische des Zugangs zu unserem persönlichem wie kollektivem Wissen und Gedächtnis betonen.

Aggregate lädt dazu ein, zu erleben, wie wir unsere Identität im Kollektiv definieren und welche Rolle dabei die selektive Rückbesinnung auf Erinnerungen, die wir für unser Selbst in Gegenwart und Zukunft bewahren möchten, spielt. In der Auseinandersetzung mit Piricis Projekt wird auch die übliche Distanz zwischen Kunstwerk und BetrachterIn dekonstruiert, indem die Masse der PerformerInnen den Raum besetzt und die Bewegung des Publikums anregt und beeinflusst. Der Kunstraum wird hinterfragt und gemeinsam definiert. Die Bewegung zum Kunstwerk hin wird Teil des Werks selbst, indem das Werk aus Bewegung hervorgeht.

Einer der Endpunkte der Ausstellung ist der Hof des n.b.k., in dem die Performer*innen einen Ort des Verlusts darstellen, der sich inner- sowie außerhalb des Subjekts auftut. Ein rätselhaftes, von Pirici komponiertes Lied fügt dem Archiv der Vergangenheit die Note einer möglichen Zukunft hinzu und stellt das Festhalten am Wiedererkennbaren zur Disposition.

Die komplette Referenzliste der performativen Aktionen:

Tiger, Gorillas, Antilopen

Aal-Kolonie auf dem Ozeanboden

Vogelgesang (der ausgestorbene Huia –
Heteralocha acutirostris)

Prometheus-Baum (Borstenkiefer –
Pinus longaeva)

Höhle der Kristalle in Naica, Chihuahua, Mexiko

Der Klang der Wellen

Welwitschia mirabilis-Pflanze

Skype-Login-Geräusch

Internet-Infrastruktur-Klänge (Datencenter)

CRISPR – DNA-Editing-Technik

Handsignale der Occupy-Bewegung


Leonardo da Vinci:
Mona Lisa

Wifredo Lam:
Lisa Mona

Michelangelo:
David

Hölzerner Bodhisattva aus Shanghai

Ägyptische sitzende Schreiber

Bicefalous Ain Ghazal-Figuren aus dem Jordan

Antonio Canova:
Psyche Revived by Love’s Kiss

Constantin Brancusi:
The Table of Silence

Maria Tanase: Songausschnitt –
Pana cand nu te iubeam [Until I fell in love with you]

Rihanna: Songausschnitt –
Kiss it better

Forough Farrokhzad: Gedichtausschnitt –
I feel sorry for the garden

Simone Yoyotte: Gedichtausschnitt–
Pyjama-Speed

Depeche Mode: Songausschnitt –
Enjoy the Silence

Chola-Bronzestatue von Nataraja

Charlotte Rudolph: Hands of Mary Wigman

Kenji Kawai: Songausschnitt –
Making of a Cyborg

Fyodor Lopukhov: Ballett-Momentaufnahme –
Bolt

Pablo Neruda:
Keeping Quiet

Camille Claudel:
Sakuntala

Unbekannte*r Künstler*in, Gian Lorenzo Bernini:
Sleeping Hermaphroditus

Bollywood-Filmausschnitt –
Yeh Jawaani Hai Deewani and Songausschnitt Ghagra

Laurie Anderson:
Goodbye/ Hello

Gil Scott-Heron: Whitey on the Moon

Johann Sebastian Bach:
Toccata und Fuge d-Moll, BWV 565

Eck-Aggregate

Fürbitten-Namensanrufung

Alexandra Pirici: polyphone Komposition für den Garten


Alexandra Pirici (*1982 in Bukarest) lebt und arbeitet in Bukarest. Zuletzt waren ihre Projekte u. a. zu sehen: Berlin Biennale (2016), Tate Modern, London, und Tate Liverpool (2016); Off-Biennale Budapest (2015); Manifesta 10, St. Petersburg (2014); Centre Pompidou, Paris (2014); Van Abbemuseum, Eindhoven (2014); Museum of Modern Art, Warschau (2014); Venedig Biennale (2013). 2015 erhielt sie den Excellence Award des National Dance Center, Bukarest. In 2017 ist Alexandra Pirici u. a. Teilnehmerin der Skulptur Projekte Münster.

Performer*innen: Alaa Eita Abdullatif, Caroline Alexander, Anajara Laisa Amarante, Malin Andreasson, Irene Anglada, Anna Aristarkhova, Irem Avci, Sara Axelsson, Maria Baroncea, Julia Barrette, Madeleine Birch, Helena Botto, Jules Boutet, Telmo Branco, Valeria Busdraghi, Martha Hincapié Charry, Ariel Cohen, Senya Corda, Claire Cote, Carmen Coțofană, Philipp Czech, Sandhya Daemgen, Madalina Dan, Livia Delgado, Simone Detig, Viviana Druga, Austin Fagan, Forough Fami, Josephine Findeisen, Judith Förster, Florence Freitag, Marc Gabriel, Juan Felipe Amaya González, Ronja Häring, Martin Hansen, Alice Heyward, Mathea Hoffmann, Jasmin İhraç, Junko Iwahashi, Anna Jarrige, Ayesha Katz, Daniella Kaufmann, Katie Kelly, Kathrin Knöpfle, Miriam Kongstad, Layton Lachman, Laura Leiner, Francesca Lisette, Lola Lustosa, Rolando Matsangos, Rachael Mauney, Jos McKain, Zwoisy Mears-Clarke, Marissa Medal, Janosa Mike, Angela Millano, Reza Mirabi, Isadhora Müller, Negroma, Ania Nowak, Sonia Noya, Lulu Obermayer, Francisco Bejarano Montes de Oca, Yoko Onodera, Birte Opitz, Assi Pakkanen, Julia Plawgo, Dmitriy Povernov, Emily Ranford, Marie Rechsteiner, Paul Riemann, Julia Rodriguez, Stefan Röben, Marc Saad, Kristianne Salcines, Kareth Schaffer, Renae Shadler, Laura Signoriello, Rodolfo Piazza Pfitscher da Silva, Hanna Kritten Tangsoo, Brett Thompson, Melina Torstensson, André Uerba, Lina Valverde, Alexandra Vasilieva, Jeronimo Vignera, Madeleine Rose White, Frida Yngvesson, Tomer Zirkilevich, Patrick Ziza

Öffnungszeiten der Ausstellung:
Samstag – Mittwoch 14–18 Uhr / Donnerstag 18–20 Uhr
Montag geschlossen

Artist Talk
Sonntag, 13. August 2017, 19 Uhr
Mit Kasper König (Künstlerischer Leiter Skulptur Projekte Münster 2017), Alexandra Pirici, and Raluca Voinea (Kuratorin, Kodirektorin tranzit.ro association)
Ort: Rumänisches Kulturinstitut Berlin, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin, Saal 2, Eingang D
In englischer Sprache

Freier Eintritt zu allen Veranstaltungen