Anja Kirschner und David Panos

1. Dezember 2012 – 27. Januar 2013



Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2012, Foto: Jens Ziehe
Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2012, Foto: Jens Ziehe
Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2012, Foto: Jens Ziehe
Der Neue Berliner Kunstverein zeigt eine neue Arbeit von Anja Kirschner (*1977 in München) und David Panos (*1971 in Athen). Kirschner und Panos haben sich in den letzten Jahren international als eine signifikante Position des künstlerischen Videofilms etabliert und bekamen 2011 den Jarman Award verliehen. Zuletzt waren ihre Arbeiten unter anderem zu sehen in: Artist Space, New York (2012); Liverpool Biennale (2012); Staatsgalerie Stuttgart (2011) und Kunsthalle Oslo (2011).

Der erstmalig in Deutschland präsentierte Videofilm
Ultimate Substance (2012, 34 Min.) wird in einer Kulisse aus skulpturalen Elementen inszeniert. Der Film geht von der Annahme aus, dass der Beginn des Münzwesens, welches erstmals im antiken Griechenland aufkam, zur grundsätzlichen Trennung zwischen Sinnlichkeit und Abstraktion in unserer Kultur führte. Die metaphysische Ausrichtung der griechischen Philosophie und Mathematik lässt sich im Zusammenhang mit der abstrakten Erfahrung des Geldtausches verstehen.

Ultimate Substance wurde im Numismatischen Museum Athen gedreht und in Lavreotiki, einem nahegelegenen Bergwerksgebiet, in dem Silber im industriellen Maßstab abgebaut und der Athenische Stadtstaat gegründet wurde. Stillgelegt zu Römischen Zeiten, wurden die Minen im 19. Jahrhundert wiederendeckt und machten Lavrio zur ersten Fabrikstadt des neugriechischen Staates. In den 1970er Jahren wurde die Bergbauindustrie erneut demontiert. Die Fabrikruinen beherbergen heute ein Museum zur Geschichte des Bergwerks.

Der sich zwischen Bildern der Antike und des heutigen krisenhaften Griechenlands bewegende Film, ist weder eine Dokumentation noch folgt er einer narrativen Struktur. Stattdessen besteht er aus Bildzitaten, die durch harte Schnitte assembliert und gemischt werden, unterstrichen von einer gegenständlichen Soundmontage.

Die KünstlerInnen lassen choreographierte Bewegungen von körperlicher Arbeit mit archäologischen und zeitgenössischen Alltagsgegenständen kollidieren, kontrastiert und zusammengestellt zu einer Reflektion über Ökonomie und die Urgeschichte der industriellen Arbeit. Kirschner und Panos stellen die Einführung des Münzwesens als entscheidend dar für den Aufstieg und die Entwicklung des westlichen Systems philosophischer Tradition und Wissenschaft, die auch heute noch die Art, in der wir die Welt verstehen, dominieren.

Kuratorinnen: Sophie Goltz und Kerstin Stakemeier


Publikation
Zur Ausstellung ist ein Künstlerbuch mit einem Text von Richard Seaford, einer Textcollage von Anja Kirschner sowie einem Vorwort von András Pálffy im Verlag Revolver Publishing, Berlin, erschienen.


Programm Kunstvermittlung

Donnerstag, 6. Dezember 2012, 19 Uhr

Austritte aus dem lähmenden Kreis der Kunsthaftigkeit: Video wird Display wird Situation
Gregor Stemmrich (Prof. Kunstgeschichte, Direktor Kunsthistorisches Institut, Freie Universität Berlin) im Gespräch mit Kerstin Stakemeier (Juniorprof. Medientheorie und Bildwissenschaften, Akademie der Bildenden Künste München)

Donnerstag, 13. Dezember 2012, 18 Uhr
Ausstellungsgespräch mit Sophie Goltz(n.b.k. Kuratorin)

Samstag, 26. Januar 2013, 18 Uhr
Kunst als Krisenform (Teil 1): Ästhetik des Geldes
Einführung von Stewart Martin (Senior Lecturer Moderne Europäische Philosophie, Ästhetik und Kunsttheorie, Middlesex University London; Redaktionsmitglied
Radical Philosophy, London), anschließend KünstlerInnengespräch mit Anja Kirschner und David Panos (KünstlerInnen, London/Athen) und Stewart Martin, moderiert von Sophie Goltz (n.b.k. Kuratorin)
In englischer Sprache

Sonntag, 27. Januar 2013, 16 Uhr
Kunst als Krisenform (Teil 2): Geld im Krisenfall. Beispiel Griechenland
Diskussion und Workshop* mit
Blaumachen, Athen/Thessaloniki, Michael Heinrich (Mathematiker und Politologe, Redaktionsmitglied Prokla. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft, Berlin), Nikos Arvanitis (Künstler und Musiker, Athen) und mit den Freundinnen und Freunden der klassenlosen Gesellschaft (Berlin), moderiert von Kerstin Stakemeier (Ko-Kuratorin Ultimate Substance)
In deutscher und englischer Sprache
*Begrenzte TeilnehmerInnenanzahl, Information und Anmeldung unter
nbk@nbk.org

Sonntag, 27. Januar 2013, 20 Uhr
A Victim Of Society
Konzert


Eintritt frei