Filipa César / Suleimane Biai
Regulado.

27. Mai – 25. Juli 2014



Mobiles Kino, Birbam, Guinea-Bissau, Foto: Filipa César, 2014Filipa César / Suleimane Biai, Regulado, 2014, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, Foto: Jens Ziehe
Filipa César setzt sich in ihren Filmen und Installationen mit den post-kolonialen Konstellationen auseinander, die die jüngere Geschichte Portugals hervorgebracht hat. Seit 2011 gelten ihre Recherchen der Filmproduktion Guinea-Bissaus, deren Anfänge eng mit dem Befreiungskampf verknüpft waren. Im Februar 2014 hat sie gemeinsam mit dem Filmemacher Suleimane Biai in Birbam, etwa drei Stunden nördlich der Hauptstadt Bissau, drei Wochen lang den Bau eines Hauses dokumentiert, das den umliegenden Dörfern als Versammlungsraum dienen soll. Suleimane Biai ist neben seiner Arbeit als Filmemacher auch der régulo in dieser Region und hat damit die Aufgaben eines Gemeindevorstands und Schlichters übernommen. Die für den Neuen Berliner Kunstverein in Kooperation mit dem Arsenal – Institut für Film und Videokunst konzipierte Installation Regulado ist nach dem Wirkungsbereich des régulo benannt, meist ein Verbund mehrerer Dörfer. Sie resultiert aus einer Konfrontation, die sich am Rande der Dreharbeiten in Birbam ereignete und durch die das filmische Handeln auf unvorhergesehene Weise in Anspruch genommen wurde. Um zwei aufeinander bezogene, jeweils in einer Einstellung gedrehte Videos skizziert die Installation Bezüge zwischen verschiedenen diskursiven und physischen Räumen, die sich in dieser Begegnung verschachteln: der Verantwortungsbereich des régulo und der inszenatorische Raum vor der Filmkamera, aber auch das im Off errichtete Versammlungshaus, ein mobiles Kino in Birbam und der Showroom in Berlin.

Kurator: Tobias Hering

Suleimane Biai (*1968 in Farim, Guinea-Bissau) arbeitet als Regisseur, Produzent und Drehbuchautor am Instituto Nacional do Cinema e Audiovisual in Bissau und ist seit 2010 auch der régulo für die Dörfer um seinen Geburtsort Farim. Er hat Filmregie an der Escuela Internacional de Cine y Televisión in Kuba studiert und neben der Realisierung eigener Spiel- und Dokumentarfilme (u. a. Djitu ten ku ten, 1997) als Assistent für Flora Gomes (u. a. Pó di Sangui, 1995) und Sana na N'Hada (Xime, 1993) gearbeitet.

Filipa Césars (*1975 in Porto, lebt in Berlin) Arbeiten werden regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen, auf Biennalen und Filmfestivals gezeigt, zuletzt u. a.: Kunstmuseum St. Gallen (2013); Jeu de Paume, Paris (2012); Haus der Kulturen der Welt, Berlin (2011); Manifesta 8, Cartagena (2010); 29. São Paulo Biennale (2010); 63. Berlinale (2013); Internationales Filmfestival Rotterdam (2013, 2010); Mudam Luxembourg (2012). Unter dem Titel Luta ca caba inda hat sie zuletzt mehrere Arbeiten und Präsentationsformate produziert, die sich mit einem im nationalen Filminstitut INCA in Bissau wieder aufgetauchten Konvolut von Filmmaterial aus den 1970er Jahren auseinandersetzen.

Nach
Cuba (2012) ist Regulado (2014) Filipa Césars zweite Zusammenarbeit mit Suleimane Biai. Die Ausstellung ist Teil des am Arsenal – Institut für Film und Videokunst angesiedelten Projekts Visionary Archive. Im Rahmen dieses Rechercheprojekts zu afrikanischen Filmarchiven organisieren beide FilmemacherInnen gemeinsam mit Sana na N'Hada unter dem Titel Von Boé nach Berlin ein mobiles Labor zur Filmgeschichte Guinea-Bissaus. Zentrales Modul dieses Vorhabens ist ein mobiles Kino durch Guinea-Bissau, bei dem das unlängst wieder aufgetauchte Archivmaterial u. a. an den Orten seiner Entstehung reaktualisiert werden soll.


Programm Kunstvermittlung
Sonntag, 25. Mai 2014, 15 Uhr
Visionary Archive – It all depends #3:
Von Boé nach Berlin – Ein mobiles Labor zur Filmgeschichte Guinea-Bissaus
Präsentation, Filmscreening und Artist Talk mit Suleimane Biai und Filipa César
Ort: Kino Arsenal,
www.arsenal-berlin.de