Ciprian Mureșan

3. Juli – 22. August 2010



Kurator: Marius Babias


Rhinocèros, Video, 2006, Foto: Dan Acostioaei

Die Werkschau mit über 15 Arbeiten ist die erste Einzelausstellung von Ciprian Mureșan in einer Institution. Seine Werke waren jüngst im Centre Pompidou (Paris), in der Renaissance Society (Chicago), im New Museum (New York) sowie auf der 17. Sydney Biennale zu sehen. 2009 war er einer der Vertreter Rumäniens auf der 53. Venedig Biennale. Mureșan ist Redaktionsmitglied der Kunst- und Kulturzeitschrift IDEA arts+society, die als eine der einflussreichsten Osteuropas gilt.

Das junge Werk Mureșans (*1977 in Cluj) reicht von Zeichnungen und Animationsfilmen über Fotografie bis zu Skulptur und Video. Ausgehend von den Veränderungen in den postkommunistischen Staaten nach 1989, thematisiert er in seinen Arbeiten Fragen kultureller Identität und Prozesse der Vergemeinschaftung. Dabei greift er auf die Kunstgeschichte zurück und gelangt so zu eigenwilligen Interpretationen der Gegenwart.

In den zwei Animationsfilmen
Baptised (2009) und Pioneer (2010) stehen sich zwei Glaubenssysteme gegenüber: Das schreiende Kind wird von einem Geistlichen in die Taufwanne getaucht, während der Pionier aus einer Plastiktüte Leim schnüffelt. Die Animationen aus gezeichneten Einzelblättern sind zeichentrickhafte Bestandsaufnahmen der gesellschaftlichen Veränderungen im Neuen Europa. Mit der Installation Incorrigible Believers (2009), bestehend aus Sitzbänken und Gebetspult, verwandelt Mureșan den n.b.k. in einen sakralen Raum, in dem die Heiligenbilder, das Kruzifix und der Priester fehlen. Die Skulptur The End of Five-Year Plan (2004) ist eine Neuinterpretation der skandalträchtigen Arbeit La Nona Ora (1999) von Maurizio Cattelan. Doch statt Papst Johannes Paul II. wird hier der Patriarch Teoctist der rumänisch-orthodoxen Kirche von einem Meteoriten erschlagen. Zu sehen sind ferner z. B. die Videoarbeiten Rhinocèros (2006), Choose (2005) und der Animationsfilm 3D Rubliov (2004).

Die soziale Kritik, die in Mureșans Arbeiten wirksam wird und bezeichnend für die „Cluj-Generation“ ist, geht weit über ihre geopolitische Situation in Südosteuropa hinaus, ohne sie jedoch zu leugnen. Diese Generation arbeitet an einer Neubestimmung der Rolle zeitgenössischer Kunst in der transkulturellen postmigrantischen Gesellschaft.

Weitere Werke von Ciprian Mureșan sind parallel bis zum 31. Juli 2010 in der Galerie Plan B in Berlin zu sehen.


Buchreihe n.b.k. Ausstellung

Zur Ausstellung erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, eine Publikation mit einem Aufsatz von Hedwig Saxenhuber, einem Interview mit Raluca Voinea und einem Vorwort von Marius Babias, 176 Seiten mit farbigen Abb., Deutsch/Englisch, 19,80 Euro (15,00 Euro ermäßigt).


Programm Kunstvermittlung

Donnerstag, 08. Juli 2010, 19 Uhr
Künstlergespräch mit Ciprian Mureșan (Künstler, Cluj) und Bojana Pejić (Kuratorin
Gender Check: Femininity and Masculinity in the Art of Eastern Europe [Wien/Warschau 2009/10], Berlin)
In englischer Sprache

Donnerstag, 15. Juli 2010, 19 Uhr
Wozu braucht die Kunst noch Autonomie?
Gespräch zwischen Hartmut Böhme (Professor für Kulturtheorie, HU Berlin) und Boris Buden (Philosoph, Berlin)

Sonntag, 22. August 2010, 21 Uhr
Musik-Performance mit Zigaretten Rauchen (Berlin)


Ausstellung und Programm werden ermöglicht durch die finanzielle Förderung von: