Freedom of Speech

11. Dezember 2010 – 30. Januar 2011



Rolf Dieter Brinkmann, Emory Douglas, Will Eisner, Hans Haacke, Sister Corita Kent, Barbara Kruger, Yossi Lemel, Steven Marcus, Olaf Metzel, Marc Morrel, Dan Perjovschi, Norman Rockwell, Joe Sacco, Christoph Schlingensief, Taller Popular de Serigrafia, Klaus Staeck, Act Up, Silke Wagner, Paul Wendling

Kuratoren: Marius Babias und Florian Waldvogel


Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2010, Foto: Jens Ziehe
(links vorn: Dan Perjovschi, o. T., 2010; rechts hinten: Joe Sacco,
Palastine, 1995)

Die Ausstellung
Freedom of Speech hinterfragt und analysiert das Konzept der Redefreiheit und ihre ideologische Rolle, die sie in den westlichen Demokratien spielen. Alles dreht sich um die zentrale Frage: Was, wenn nur der sprechen dürfte, der die Wahrheit sagt? Welche Konsequenzen hat das Recht auf Redefreiheit in unserer Gesellschaft? Wie und wo wird diese Freiheit instrumentalisiert? Deutlich wird dies am Beispiel des Karikaturenstreits im Jahr 2005, als eine rechte dänische Tageszeitung die sogenannten „Mohammed-Karikaturen“ veröffentlichte. An dem anschließenden Streit und der iranischen Gegenreaktion eines „Holocaust-Karikaturen-Wettbewerbs“ entzündete sich eine öffentliche Diskussion über Freiheitsrechte – Rede-, Meinungs- und Pressefreiheit – sowie Wahrheit. Der versuchte Mordanschlag auf den Zeichner der Mohammed Karikaturen Kurt Westergaard Anfang 2010 sowie dessen Auszeichnung mit dem M100-Sanssouci Medien Preis im Sommer diesen Jahres verdeutlichen die Brisanz und Aktualität des Themas. Ist es zulässig, Karikaturen zu veröffentlichen, die wissentlich nicht der Wahrheit entsprechen? Die also, wie in diesem konkreten Beispiel, rassistische Stereotype reproduzieren und verfestigen?

Die Ausstellung
Freedom of Speech stellt Beispiele der Medienberichterstattung (z. B. die oben genannten „Mohammed-Karikaturen“ oder die kontrovers diskutierten Cover des Magazins Hustler sowie Titelblätter der Magazine Stern oder Spiegel), historische Ereignisse (z. B. das Black Power Movement und das Free Speech Movement in den USA) sowie künstlerische Positionen in Kontext mit- und zueinander.

Gemeinsam mit dem Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) werden die Arbeiten mittels der Kritischen Diskursanalyse auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht. Diese vom DISS in Anlehnung an die Theorien Michel Foucaults entwickelte Analyseform wird wie eine Folie auf die sprachliche und bildliche Ebene der versammelten Medienberichte und künstlerischen Arbeiten gelegt. Dass auch Kunstwerke zum Gegenstand der Analyse werden, ist in dieser Form einmalig und trägt der Tatsache Rechnung, dass sie ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Konstituierung von Alltagswissen spielen und daher hier gleichberechtigt betrachtet werden. Im Sinne Foucaults „offenbart die moderne Kunst auf skandalöse Weise die Wahrheit“, denn „Kunst besitzt die Fähigkeit, der Existenz eine Form zu geben, die mit jeder anderen bricht, die Form des wahren Lebens“.

Für die Ausstellung wurde eine Application (App) für Smartphones entwickelt, die als mobiler Audio / Video-Guide funktioniert und neben Interviews mit den KünstlerInnen, den Kuratoren und AutorInnen auch Hintergrundinformationen zur Ausstellung versammelt. Die kostenfreie App kann hier heruntergeladen werden.

Freedom of Speech ist eine Kooperation des Neuen Berliner Kunstvereins und des Kunstvereins Hamburg (18. Dezember 2010 – 27. März 2011) in Zusammenarbeit mit dem Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS).

Freedom of Speech im Kunstverein Hamburg
18. Dezember 2010 – 13. März 2011
Eröffnung: Freitag, 17. Dezember 2010, 19 Uhr
www.kunstverein.de


Buchreihe n.b.k. Diskurs
Zur Ausstellung erscheint im Januar 2011 ein Reader in der Reihe n.b.k. Diskurs, im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln.



Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2010, Foto: Jens Ziehe
(links: Emory Douglas, 1969-70; hinten: Hans Haacke,
Der Pralinenmeister, 1981; rechts: Joe Sacco, Palastine, 1995)


Programm Kunstvermittlung

Donnerstag, 16. Dezember 2010, 19 Uhr
Künstlergespräch mit Klaus Staeck (Künstler und Präsident der Akademie der Künste, Berlin) und Marius Babias (Direktor n.b.k.)


Freitag, 21. Januar 2011
Symposium (Teil1): Neuer Berliner Kunstverein

19 Uhr „Das, was Sie eben gesagt haben, das will ich hier nicht hören!“
Freiheit der Rede, verletzendes Sprechen und das postsouveräne Subjekt
Vortrag von Astrid Deuber-Mankowsky (Prof. Gender Studies, Bochum/Berlin)

20 Uhr „Freedom of Speech“ aus feministisch-queerer Perspektive
Podiumsdiskussion mit Astrid Deuber-Mankowsky (Prof. Gender Studies, Bochum/Berlin), Marlene Streeruwitz (Schriftstellerin, Wien/Berlin), Regina Wamper (Politologin, Duisburg), Moderation: Christiane Ketteler (Autorin, Berlin)


Samstag, 22. Januar 2011
Symposium (Teil 2): Kunstverein Hamburg

14.30 Uhr Der Mut zur Wahrheit und die Grenzen der Redefreiheit
Vortrag von Siegfried Jäger (Prof. emer. Sprachwissenschaft, Leiter DISS, Duisburg)

15.30 Uhr The Legality of the Image
Vortrag von Costas Douzinas (Prof. of Law, London)

16.30 Uhr Freie Meinung und Gegenöffentlichkeit
Ein Gespräch zwischen Gabriel Kuhn (Schriftsteller und Übersetzer, Stockholm) und Mirko Tobias Schäfer (Prof. New Media & Digital Culture, Utrecht)

17.30 Uhr Die (ver)öffentlich(t)e Meinung als Normalisierungs-Maschine
Vortrag von Jürgen Link (Prof. emer. Deutsche Lteratur, Hattingen)

18.30 Uhr Podiumsdiskussion mit Gabriel Kuhn, Jürgen Link, Mirko Tobias Schäfer, Moderation: Siegfried Jäger

21 Uhr Speichelfäden in der Buttermilch
Lesung von Stermann & Grissemann