Manfred Pernice

6. September – 28. Oktober 2011



Kurator: Marius Babias


Manfred Pernice,
von der stange, 2011, Installationsansicht n.b.k.
Foto: n.b.k./Jens Ziehe

Für den n.b.k. Showroom entwickelt der Künstler Manfred Pernice in situ die „skulpturale Präsentation“
von der stange als begehbaren Werkzyklus. Zehn neue Skulpturen werden dafür aus den gleichen Elementen – Archivmaterialien, skulpturale Versatzstücke oder Teile älterer Arbeiten – je anders kombiniert und das Material in seiner Potentialität neu bewertet. Ähnlich der Methode des Rezyklierens verbindet Pernice so verschiedene Materialien unterschiedlicher Herkunft zu einem neuen ästhetischen Mehrwert und führt sie in den Kunstzusammenhang zurück bzw. reproduziert sie in diesem. Mit diesen Kombinationen aus „variablen Bauklotzkörpern“ zeigt sich nicht nur die Vielseitigkeit des künstlerischen Materials bei Pernice, sondern auch die unterschiedlichen Forschungsinteressen des Künstlers werden in den Fragmenten sichtbar.

Wer heute mit Skulptur arbeitet, stellt sich nach Pernice auch den „Fragen von vorgestern“. Unter einem erweiterten Skulpturbegriff werden heute Fotografie, Film, Video und Malerei als Bestandteile von Skulptur/Installation genauso mit gefasst wie eine reflexive Praxis gegenüber dem Ausstellungsraum und darüber hinausgehenden Diskursen. Die gleichzeitige Verfügbarkeit von Materialien, Formen und (Kunst-)Geschichten führt immer auch auf klassische Fragen der Skulptur zurück: Wie ist etwas gebaut/geformt, welche Entscheidungen wurden getroffen? Manfred Pernice überführt diese Fragen in die Gegenwart der Ausstellung im Neuen Berliner Kunstverein durch seine post-repräsentativen Gesten: In der scheinbaren Wiederholung von Material und Form wird die „eigene Klassik“ überwunden, und doch steht der eigentliche Akt des Bildhauers ganz im Vordergrund: das Herstellen eines dreidimensionalen Raumes im Raum, der bei Pernice immer ortspezifisch gedacht ist. Auch hier wird das eigene Genre erweitert: So sehr sich der Werkzyklus auch auf den Raum bezieht, so sehr bleibt er ein „Raum im Raum“ und durch Unfertiges „unvollendet“ und in seinen Möglichkeiten und Betrachtungsweisen offen.