Gruppenbild
4: Ming Wong

28. September – 5. November 2010



Kuratorinnen: Kathrin Becker, Sophie Goltz


Videostill: Ming Wong,
Kontakthope, 2010

Gruppenbild ist eine fünfteilige Ausstellungsserie im Showroom des Neuen Berliner Kunstvereins. Die beteiligten KünstlerInnen arbeiten mit Performance und Rauminstallation und gestalten über die Dauer eines Jahres das als Experiment angelegte Projekt. Mit jeder künstlerischen Intervention werden bestehende Installationen variiert und neue Elemente hinzugefügt. Aus den einzelnen Beiträgen entsteht so ein kollektives Denkbild. Den Anfang bildete
die Videoinstallation
Timing and Consistency (2010) von Karolin Meunier, ein performativer Monolog über die Möglichkeiten und Grenzen der Selbstauskunft. Im zweiten Teil folgte Discoteca Flaming Star mit der Videoarbeit El valor del gallo negro (Buthe – Turm – Börse)(2010), einer Performance für die Kamera, die sich mit der An- und Abwesenheit des Körpers im Abstraktionsprozess befasst. Azin Feizabadi nahm die gemeinsamen Gespräche von Gruppenbild zum Ausgang seiner Installation Felix, what will remain after all this? (2010), um diese mit Beispielen kollektiven Widerstands zu verknüpfen.

Ausgehend von dem gemeinsamen Prozess bei
Gruppenbild lud Ming Wong internationale KünstlerInnen und KuratorInnen, die in Berlin leben und mit denen er zusammenarbeitet, zu einem Tanzworkshop mit Verena Krajewski ein. Die daraus resultierende neue Videoarbeit Kontakthope (2010) untersucht Alltagsgesten in der Begegnung zwischen KünstlerInnen und KuratorInnen, um allgemeiner zu fragen: Was geht in uns vor, wenn wir einander begegnen; auf welche Geschichte beziehen wir uns? Gleichzeitig greift er mit den entlehnten Gesten aus dem Tanzstück Kontakthof (1978) von Pina Bausch deutsche Kultur- und Tanzgeschichte auf. Die Musik wurde in den 1930er Jahren von dem emigrierten russisch-jüdischen Musikstar Leo Monosson auf Deutsch gesungen, der im späteren US-amerikanischen Exil nie eine musikalische Heimat finden sollte. Während die Tanzsprache Bauschs universell lesbar ist, filmt Wong das Spezifische in den Mikrobegegnungen, um sie in der Postproduktion mit dem visuellen Diskurs um kulturelle Globalität zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu verschränken.


Biografie
Ming Wong (*1971 in Singapur) lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte Chinese Art an der Nanyang Academy of Fine Arts, Singapur und Fine Art Media an der Slade School of Art, University College London. In Wongs künstlerischer Praxis fügen sich Sprache und Identität zu einem eigenen „World Cinema“. In seinen Performance-Videos wird dieses Kino des Alltags zu einer Bühne queerer Politik der Repräsentation und verbindet sich mit der Geschichte des Melodramas eines Rainer Werner Fassbinders oder P. Ramlees wie des modernen Tanzes.
Einzelausstellungen (Auswahl): Singapore Art Museum (2010); Singapur Pavillon, 53. Venedig Biennale (2009); Künstlerhaus Bethanien, Berlin (2008).
Gruppenausstellungen (Auswahl): Gwangju Biennale, Sydney Biennale, Tokyo Metropolitan Museum of Photography (alle 2010); Centro Cultural Montehermoso, Vitoria-Gasteiz (2009); ZKM|Zentrum für Kunst- und Medientechnologie, Karlsruhe (2008).


Die Ausstellungen werden ermöglicht durch die Förderung von:



Die Videoarbeit von Ming Wong wird zusätzlich gefördert von: