Donnerstag, 2. Oktober 2014, 19 Uhr
Materien der Macht. Konstituierende Prozesse und präsentische Demokratie

Vortrag von Isabell Lorey (Politikwissenschaftlerin, Gastprofessorin für Politische Theorie, Zentrum Gender Studies, Universität Basel)

In Europa entstehen seit einiger Zeit in sozialen Bewegungen, auf Plätzen und an anderen Orten neue demokratische Praxen. Diese Praxisformen werden von vielen als konstituierender Prozess verstanden, der nicht auf eine Reform der repräsentativen Demokratie zielt, sondern in dem Alternativen zu Partizipation und Repräsentation erfunden werden. In ihrem Vortrag im Rahmen der Ausstellung Imperium von Luca Vitone im Neuen Berliner Kunstverein beschäftigt sich Isabell Lorey mit diesen Bewegungen und Prozessen, bei denen es um Widerstand gegenüber den herrschenden sozialen, ökonomischen und politischen Realitäten der Gegenwart geht, und zugleich um die Neuerfindung einer veränderten Gegenwart – um die Erfindung der präsentischen Demokratie.

Isabell Lorey ist Politische Theoretikerin am European Institute for Progressive Cultural Policies (eipcp). Sie lehrt als Gastprofessorin für Politische Theorie an verschiedenen Universitäten: am Zentrum Gender Studies der Universität Basel (2012-2014), an der Humboldt-Universität zu Berlin (2010 und 2011) und an der Universität Wien (2009 und 2010). 2001-2007 hatte sie eine Assistenzprofessur für Gender & Postcolonial Studies an der Universität der Künste in Berlin inne. Sie verfasste Publikationen zu Prekarisierung von Arbeit und Leben im Neoliberalismus, zu sozialen Bewegungen wie der Euromayday-Bewegung und die Besetzungsbewegungen seit 2011, sowie zu kritischer Demokratietheorie, biopolitischer Gouvernementalität und politischer Immunisierung. Ihre Habilitation zu den Ordnungskämpfen der römischen Republik, dem Plebejischen, Konzepten von Gemeinschaft und Immunisierung wurde 2011 unter dem Titel
Figuren des Immunen. Elemente einer politischen Theorie im Diaphanes Verlag veröffentlicht.