Dienstag, 3. Dezember 2013, 19 Uhr
A Tropical Conversation

Künstleringespräch mit María Inés Rodríguez (Kuratorin, Herausgeberin Tropical Papers [www.tropicalpapers.org], Mexico-Stadt / Berlin) und Carla Zaccagnini (Künstlerin, São Paulo / Berlin)
In spanischer Sprache mit mit konsekutiver Übersetzung ins Deutsche von Konstanze Schmitt


Brasilien. Ein Land der Zukunft betitelte 1941 der österreichische Autor Stefan Zweig seine Lobeshymne auf das Land, in dem er sich von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs in Europa erholte. 1942 gab Walt Disney den Animationsfilm Saludos Amigos über Lateinamerika heraus. Der brasilianische Teil ist betitelt mit Aquarela do Brasil (Willkommen in Brasilien): Unterlegt mit dem gleichnamigen Lied von Ary Barrosos beginnt der Film mit einem Pinsel, der in schillernden Farben eine exotische Dschungellandschaft zeichnet. Bis heute hält dieser Mythos von der harmonischen Gemeinschaft und der atemberaubenden Natur an, bestimmt Selbst- und Fremdbilder des Landes.
Ausgehend von den gesellschaftlichen Bildern dieses Mythos und den daraus resultierenden tropischen Klischees stellt die Künstlerin Carla Zaccagnini ihre Arbeit an der kulturellen Zersetzung (Collagen) im Gespräch mit der Kuratorin María Inéz Rodríguez vor. In ihrem Blog
Tropical Papers lädt sie in drei Rubriken KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen ein, ihre kritischen Recherchen zum Tropicalismo (Tropicália) öffentlich zu machen.

Die Künstlerin Carla Zaccagnini (*1973 in Buenos Aires, lebt in São Paolo / Berlin) arbeitet in ihreren künstlerischen Projekten mit verschiedenen Medien, u. a. mit ortsbezogenen Installationen. In ihren jüngsten Arbeiten setzt sie sich insbesondere mit der Sprache und dem kulturellen Kontext ihrer Schaffensorte auseinander. Zur Zeit lebt sie als Artist in Residence im Künstlerhaus Bethanien in Berlin. Zuletzt waren ihre Arbeiten u. a. zu sehen: Instituto de Cultura Puertorriquena (2012); Ignacio Liprandi Arte Contemporaneo, Buenos Aires (2011); ZONA Maco, Mexico City (2011); Museu do Chiado, Lissabon (2011); MUSAC Museo de Arte Contemporâneo de Castilla y León (2010); ARCO Madrid (2010); Lower Manhattan Cultural Council — LentSpace New York (2010); Art Gallery of York University, Toronto (2008); MAMAM Museu de Arte Moderna Aloísio Magalhães, Recife (2008), Ersta Konsthall, Stockhom (2007).

Die Kuratorin und Kunstkritikerin María Inés Rodríguez ( *1968 in Kolumbien, lebt in Mexico City / Berlin) studierte Bildende Kunst in Bogota und Genf. Als freie Kuratorin wirkte sie an einer Vielzahl von Ausstellungen und Forschungsprojekten in Lateinamerika und Europa mit. Von 2008 bis 2009 war sie in Paris als Kuratorin für das Satellite-Program am Jeu de Paume zuständig, zuletzt war sie als Chefkuratorin am Museo Universitario Arte Contemporáneo – UNAM in Mexico City (2011—2013), sowie am Museo de Arte Contemporáneo de Castilla y León in Spanien (2009—2011) tätig. Neben ihren kuratorischen Tätigkeiten hat María Inés Rodríguez als Redakteurin für mehrere Kunstzeitungen und Magazine gewirkt, u. a. für das französische Kunstmagazin Point d'Ironie sowie für Instant City, Bogotham City und Sueño de Casa Propia. 2005 gründete sie die
Tropical Paper Editions um Künstlereditionen zu fördern und weiterzuentwickeln, heute existieren die Tropical Papers auch als Online-Plattform.