Mittwoch, 6. Dezember 2017, 19 Uhr
Buchpräsentation: Berlin 2013/1983 von Daniel Young & Christian Giroux

Mit den Künstlern und Sandra Bartoli, Katja Gretzinger, Anh-Linh Ngo und Mohammad Salemy,
präsentiert von ARCH+ Books


Das Künstlerbuch Berlin 2013/1983 der kanadischen Künstler Daniel Young und Christian Giroux ist ein Versuch, zwei miteinander zusammenhängende Forschungsfragen zu beantworten: Wie sieht ein Jahr Bautätigkeit in einer Stadt aus, und wie erscheint diese zeitgenössische Stadt im Vergleich zur Bausubstanz, die eine Generation zuvor entstand? Berlin ist in dieser Hinsicht eine faszinierende Fallstudie, nicht zuletzt, weil die geopolitischen Veränderungen das urbane Gewebe in Ost- und Westberlin gleichermaßen verändert haben. Die Künstler versuchten mit enzyklopädischem Anspruch, alle 2013 realisierten Bauten zu dokumentieren, und stellten sie den Gebäuden gegenüber, die eine Generation zuvor, das heißt ungefähr dreißig Jahre früher errichtet wurden.

Berlin 2013/1983 ist als Abbildungsmaschine zur Zerstörung anderer Bilder gedacht und unterläuft mit seiner analytischen Herangehens‑ und Präsentationsweise der 784 Gebäude-„Paare“ gängige Berlin-Narrative. Die Künstler begannen ihre fotografische Bestandsaufnahme am nordwestlichen Rand der Stadt und scannten dann das gesamte Stadtgebiet in einem bustrophedonischen („furchenwendigen“), zeilenweise von Ost nach West und zurück verlaufenden Zickzackkurs, ein Prozess, der im Februar 2015 begann und im Mai 2015 endete. Die radikal demokratische Form des Projekts betont weder die historische – zentralisierte – noch die moderne – radiale –Stadtentwicklung, sondern behandelt Peripherie und Zentrum als gleichwertig. Die ikonischen Bauwerke in Berlin-Mitte finden sich nur im mittleren Teil des Buchs und gehen in der schieren Überfülle von Bildern vorstädtischer Neubauten unter, in einem nichthierarchischen Inventar architektonischer Formen, Formate und Funktionen.

Berlin 2013/1983 ist unter anderem inspiriert von der Tradition konzeptueller Fotografie, deren Projekte sich dem architektonischen Wissen widmeten. Das Buch ist als rigorose Dérive angelegt und leistet einen radikalen Beitrag zum architektonischen Diskurs ebenso wie zum bestehenden Angebot Berliner Architekturführer. Was als materialistische Fallstudie zur politischen Ökonomie der Bautätigkeit unserer Zeit – und der jüngeren Vergangenheit – konzipiert wurde, entwickelt sich zu einer Untersuchung der historischen Entwicklung einer lokalen Alltagsstruktur.

Zwei Bände, bilingual Deutsch und Englisch, 1.568 Seiten mit 1.568 Abbildungen + Textband 128 Seiten, mit Essays von Sandra Bartoli, Kenneth Haynes, Anne Huffschmid und Anh-Linh Ngo, erschienen als Sonderedition bei ARCH+ Books.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation von ARCH+ und n.b.k. und wird unterstützt von der Botschaft von Kanada, Berlin.

In englischer Sprache
Eintritt frei