Donnerstag, 29. März 2012, 19 Uhr
Ausstellungstour

Mit Sophie Goltz (n.b.k. Kommunikation und Bildung)

Die Ausstellung von David Zink Yi (geboren 1973 in Lima / Peru) im Neuen Berliner Kunstverein präsentiert neben der erstmals in Berlin gezeigten Videoinstallation Horror Vacui (2009) die neue Fotoserie aus der Reihe Twilight Images. Die Motive der Silvergelatine-Prints auf Barytpapier zeigen einen öffentlichen Park in Havanna bei Nacht. Im Bild Havannas und Kubas überlagern sich die Themen und Interessensgebiete Zink Yis: sozialrevolutionäre Utopie, nackte sozialistische Realität, die Kulte und Riten der afro-kubanischen Bevölkerung. Die Schwarz-Weiß-Langzeitbelichtungen dokumentieren ein feinsinniges Lichtspiel, ein Zwielicht, das durch die Präsentation im Ausstellungsraum verstärkt wird.

Im Mittelpunkt der Ausstellung und des zur Ausstellung erscheinenden Künstlerbuchs steht die zweikanalige Videoinstallation
Horror Vacui. Die zweistündige Arbeit dokumentiert Proben der Latin-Band De Adentro y Afuera, die Zink Yi gemeinsam mit kubanischen MusikerInnen gründete, kombiniert mit Aufnahmen von Ritualen afro-kubanischen Ursprungs: die drei Rituale Cajon, Tambor Batá und Wiro aus dem Palo Monte, einem afro-kubanischen, mit der Santería verwandten Kult und der Religion der Yoruba, die – hauptsächlich in Nigeria und Benin praktiziert – den Ursprung einer ganzen Reihe von religiösen Traditionen in unterschiedlichen Ländern Lateinamerikas bilden. Zink Yi, der die Proben der Band und die rituellen Praktiken im Video gleichberechtigt nebeneinander stellt, thematisiert die strukturelle Ähnlichkeit zwischen der Musikproduktion und den religiösen Handlungen. Zink Yi beleuchtet in Horror Vacui Praktiken der individuellen und gemeinschaftlichen Identitätsstiftung, die jenseits von Modellen der Identitätsbehauptung in aggressiven Gegensatzpaaren entstehen können. Der Künstler zeigt uns Alternativen zu restriktiven, auf Machtverhältnissen und Inferiorität beruhenden Vorstellungen kultureller Identität auf.