Donnerstag, 18. Juli 2013, 19 Uhr
Die Macht des Todes: Ein Problem der Darstellung.

Vortrag von Elisabeth Bronfen (Kulturwissenschaftlerin, Prof. für Englische und Amerikanische Literatur, Universität Zürich)

In seiner Endgültigkeit und an der Grenze des Erfahrbaren fasziniert der Tod seit jeher Philosophie und Ästhetik. Der Moment des Todes als individuelles Ereignis lässt sich weder direkt darstellen, noch mit Bild oder Sprache erfassen, ein definitives und erfahrenes Wissen lässt sich nicht an die Hinterbliebenen vermitteln. Im Rahmen der Ausstellung von Valérie Favre im Neuen Berliner Kunstverein untersucht Elisabeth Bronfen in ihrem Vortrag anhand ausgewählter Filmbeispiele die Problematik der Darstellung des Todes.

Elisabeth Bronfen (*1958 in München, lebt in Zürich) studierte Germanistik, Anglistik und Komparatistik am Radcliffe College und an der Universität Harvard. Sie arbeitete von 1985 bis 1992 an der Universität München, wo sie 1986 mit einer Studie über den literarischen Raum bei Dorothy Richardson promovierte und fünf Jahre später habilitierte. Seit 1993 ist sie Lehrstuhlinhaberin am Englischen Seminar der Universität Zürich. Sie hat eine Vielzahl von wissenschaftlichen Schriften und Büchern verfasst, darunter
The Knotted Subject. Hysteria and its Discontents, Princeton University Press, 1998, und Liebestod und Femme fatale. Der Austausch sozialer Energien zwischen Oper, Literatur und Film. Frankfurt/Main 2004. In ihrer Habilitationsschrift Over Her Dead Body. Death, Femininity and the Aesthetic, Manchester University Press, 1992 (dt. Ausgabe Nur über ihre Leiche. Tod, Weiblichkeit und Ästhetik, München 1993), untersucht Bronfen die visuellen und narrativen Darstellungen des Todes im poststrukturalistisch geprägten Diskurs. Bronfen argumentiert, dass diese als Symptome unserer Kultur gelesen werden können, da dort die Prozesse der Re- und Defiguration oft über die weibliche Leiche verhandelt werden.