Mittwoch, 23. Januar 2013, 19 Uhr
Immaterielle Raumproduktion und materielles Weltkulturerbe

Diskussion mit Thomas Flierl (Autor, Berlin) und Arno Brandlhuber (Architekt, Berlin), moderiert von Christian Posthofen (Akademie c/o)

Nirgends wird das Verhältnis von Architektur und Ideologie anschaulicher als in politisch, national, ethnisch, ideologisch oder religiös geteilten Territorien. Weltweit steht Berlin zwischen 1945 und 1989 einzigartig für den ideologischen Aspekt von Architektur. Die geteilte Hauptstadt, das Doppelte Berlin, benötigte alle Staats-, Stadt-, Wohn- und Kultur-Bauten doppelt. In der jeweils unterschiedlichen, spiegelbaren Ausformung der Architekturen zeigt sich der Sachverhalt an sich und gleichzeitig doppelt in seiner spezifischen ideologischen Ausrichtung.

Für den Bürgerverein Hansaviertel, die Hermann-Henselmann-Stiftung und den Förderverein Hansaviertel stellen die Architekturen der Doppelung Hansaviertel und Karl-Marx-Allee ein herausragendes Beispiel der Rivalität der beiden Systeme dar, die sich in Berlin gegenüberstanden. Im Juli 2012 entschied der Berliner Senat sich dafür, dieser Argumentation zu folgen und das Hansaviertel und die Karl-Marx-Allee bei der Kultusministerkonferenz als Kandidat für die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes vorzuschlagen.

Die Initiative Weltkulturerbe Doppeltes Berlin trat im September 2012 mit ihrer offenen Geschichtswerkstatt im Rahmen der Ausstellung „Between Walls and Windows - Architektur und Ideologie“ im Haus der Kulturen der Welt zum ersten Mal mit dem Vorschlag an die Öffentlichkeit, eine Liste aller Doppelungen aufzustellen, die dem architektonischen Wettrüsten entsprangen. Sie sieht in Hansaviertel und Karl-Marx-Allee nur eines unter vielen Paaren und misst Doppelungen wie z. B. „Springer-Hochhaus/Komplex Leipziger Straße“, „Volksbühne/Freie Volksbühne“, „HU/FU“ die selbe Bedeutung zu und sieht auch diese als potentielles Weltkulturerbe.