Donnerstag, 8. Juli 2010, 19 Uhr
Künstlergespräch

Mit Ciprian Mureșan (Künstler, Cluj) und Bojana Pejić (Kuratorin)

Die Werkschau mit über 15 Arbeiten ist die erste Einzelausstellung von Ciprian Mureşan in einer Institution. Seine Werke waren jüngst im Centre Pompidou (Paris), in der Renaissance Society (Chicago), im New Museum (New York) sowie auf der 17. Sydney Biennale zu sehen. 2009 war er einer der Vertreter Rumäniens auf der 53. Venedig Biennale. Mureşan ist Redaktionsmitglied der Kunst- und Kulturzeitschrift IDEA arts+society, die als eine der einflussreichsten Osteuropas gilt. Das junge Werk Mureșans (*1977 in Cluj) reicht von Zeichnungen und Animationsfilmen über Fotografie bis zu Skulptur und Video. Ausgehend von den Veränderungen in den postkommunistischen Staaten nach 1989, thematisiert er in seinen Arbeiten Fragen kultureller Identität und Prozesse der Vergemeinschaftung. Dabei greift er auf die Kunstgeschichte zurück und gelangt so zu eigenwilligen Interpretationen der Gegenwart.



In den zwei Animationsfilmen
Baptised (2009) und Pioneer (2010) stehen sich zwei Glaubenssysteme gegenüber: Das schreiende Kind wird von einem Geistlichen in die Taufwanne getaucht, während der Pionier aus einer Plastiktüte Leim schnüffelt. Die Animationen aus gezeichneten Einzelblättern sind zeichentrickhafte Bestandsaufnahmen der gesellschaftlichen Veränderungen im Neuen Europa. Mit der Installation Incorregible Believers (2009), bestehend aus Sitzbänken und Gebetspult, verwandelt Mureşan den n.b.k. in einen sakralen Raum, in dem die Heiligenbilder, das Kruzifix und der Priester fehlen. Die Skulptur The End of Five-Year Plan (2004) ist eine Neuinterpretation der skandalträchtigen Arbeit La Nona Ora (1999) von Maurizio Cattelan. Doch statt Papst Johannes Paul II. wird hier der Patriarch Teoctist der rumänisch-orthodoxen Kirche von einem Meteoriten erschlagen. Zu sehen sind ferner z. B. die Videoarbeiten Rhinoceros (2006), Choose (2005) und der Animationsfilm 3D Rubliov (2004).



Die soziale Kritik, die in Mureşans Arbeiten wirksam wird und bezeichnend für die „Cluj-Generation“ ist, geht weit über ihre geopolitische Situation in Südosteuropa hinaus, ohne sie jedoch zu leugnen. Diese Generation arbeitet an einer Neubestimmung der Rolle zeitgenössischer Kunst in der transkulturellen postmigrantischen Gesellschaft.

In Englischer Sprache