Donnerstag, 15. September 2011, 19 Uhr
Preclusion, Void and Evil

Vortrag von Mehdi Belhaj Kacem (Paris) in der Reihe „Was ist Philosophie?“

Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte der metaphysischen Aneignung der Leere; eine Aneignung, die den Namen Wissenschaft trägt. Diese Aneignung wird ermöglicht durch ein Regime verallgemeinerter Enteignung, das Politik heißt und seine Grenze im Horizont der planetarischen Selbstzerstörung der menschlichen Spezies erreicht hat. Seit Marquis de Sade und Francisco de Goya ist die moderne Kunst das, was das Enteignungsregime aufzeigt und was die positive Universalität der Wissenschaft sanktioniert. Diese Kehrseite der positiven Wissenschaft, der mathematisierten Leere, hat die Religion seit jeher das Böse genannt (die „Ursünde“). Eine moderne Philosophie ist der Versuch, die Frage des Bösen zu „atheologisieren“, um die Art und Weise zu verstehen, wie die metaphysische Aneignung der Leere sich zeigt, im historio-planetarischen politischen Horror einerseits, in der Kunst von de Sade zu Thomas Hirschhorn, über Charles Baudelaire, George Bataille oder Pier Pasolini andererseits.

Mehdi Belhaj Kacem (*1973) ist freier Philosoph, Schauspieler und Autor. Er lebt und arbeitet in Paris. Er berichtete während der sozialen Revolten aus Tunesien für die Zeitschrift
La Règle du Jeu. Er schreibt Novellen und philosophische Essays. Publikationen (Auswahl): L’esprit du nihilisme, une ontologique de l’Histoire (Paris: Editions Fayard, 2009); Esthétique du chaos (Paris: Editions Tristram, 2000); Cancer (Paris: Editions Tristram, 1994). Auf Deutsch ist erschienen: Inästhetik und Mimesis (Berlin: Merve, 2011).

In englischer Sprache