Donnerstag, 8. September 2011, 19 Uhr
Symbolic vs Biological Life: the End

Vortrag von Catherine Malabou (Paris) in der Reihe „Was ist Philosophie?“

Catherine Malabou formuliert eine Kritik der Vorstellungen der Biomacht und der Biopolitik in der zeitgenössischen Kontinentalphilosophie. Philosophen wie Michel Foucault, Jaques Derrida und Giorgio Agamben haben alle, jeder auf seine Art, jegliche Art von metaphysischer Herangehensweise an das Leben kritisiert, die phänomenologische Unterscheidungen zwischen Körper und Fleisch unterstützt, zwischen dem empirischen, objektiven Körper und dem spirituell Verkörperten. Keiner von ihnen verleiht dem Begriff „Leben“ einen ontologischen Wert, der von der empirischen Beschränkung des Lebens abgeschnitten werden könnte. Eine Theorie des Lebens, eine philosophische Annäherung an das Leben kann nur seine politische Artikulation sein. Es geht nicht um eine Frage der Definition des Lebens, darum, ein Konzept des Lebens vorzustellen, sondern darum, das „Warum“ und „Wie“ zu verstehen, um Foucaults berühmte Definition in Erinnerung zu rufen: In modernen Zeiten sind das politische Subjekt und das biologische Individuum ein und dasselbe. Malabous Behauptung besteht darin, dass unter dem Namen der Biopolitik, oder sogar unter dem einer Politik des Lebens, eine neue Beziehung zwischen dem Biologischen und dem Symbolischen sich versteckt, ein Scharnier zwischen ihnen, dass sowohl Anschluss- als auch Trennungsmoment ist. Das Fortdauern eines solchen Scharniers ist es, was eine Art von Vitalismus inmitten der politischen Annäherung an das Leben wieder einführt. In welchem Ausmaß können gegenwärtige biologische Kategorien uns helfen, hierin einen neuen Materialismus zu begründen?

Catherine Malabou (*1959) ist eine französische Philosophin und Professorin an der philosophischen Fakultät der Kingston Universität, London, und an der Universität Ouest Nanterre La Défense, Paris. Zudem hat sie eine Gastprofessur an der State University of New York, Buffalo. Im Jahr 1999 erschien
La contre-allée (Voyager avec Jacques Derrida), welches aus einer Zusammenarbeit mit Derrida entstand. Publikationen (Auswahl): You Be My Body For Me, For, Corporeity, Plasticity in Hegel’s Phenomenology of Spirit (London: Blackwell, 2011); Changer de différence, le féminin et la question philosophique (Paris: Galilée, 2009). Auf Deutsch erschienen sind: Ontologie des Akzidentiellen. Über die zerstörerische Plastizität des Gehirns (Berlin: Merve, 2011); Was tun mit unserem Gehirn? (Zürich: Diaphanes, 2006).

In englischer Sprache

Die komplette Reihe
Was ist Philosophie? ist dokumentiert in einer DVD-Box, erhältlich im n.b.k.