Allan Kaprow

Time PiecesRed Carpet for the Public

Allan Kaprow arbeitete als Künstler und Kunsttheoretiker an der Entwicklung von improvisierten Formen der Aktionskunst und prägte 1958 hierfür den Begriff Happening. Er realisierte über 250 Happenings, darunter Time Pieces für das vom Neuen Berliner Kunstverein organisierte Projekt Aktionen der Avantgarde (ADA 1) (1973). Das aus der Dokumentation entstandene Video Time Pieces ist eine Koproduktion des Neuen Berliner Kunstvereins, der gemeinsam mit dem DAAD und den Berliner Festspielen die Aktionen der Avantgarde realisierte. Unter dem Einfluss der Konzeptkunst initiierte ADA über mehrere Tage verschiedene Performances, Aktionen und Happenings im öffentlichen Raum in West-Berlin. In Time Pieces sind die TeilnehmerInnen zu sehen, wie sie die Geräusche ihres Pulses und Atems aufnehmen, diesen zuhören und mit PartnerInnen über das Telefon oder von Angesicht zu Angesicht austauschen. Das Happening war darauf angelegt, körperliche Prozesse zu erforschen und „hörbar“ zu machen: durch lautes Mitzählen oder Mitschlagen des Pulsschlages und durch bewusstes Hecheln. Mit dem Abspielen der Tonaufnahmen wird dem eigenen wie dem anderen Körper „zugehört“. Durch den Einsatz moderner Aufnahmetechnik verdoppelte Kaprow den physischen Wahrnehmungsraum. In einer letzten Handlungsanweisung atmen die TeilnehmerInnen in eine Plastiktüte aus, die zuvor verklebt war, und verschließen diese wieder. Das einmalige Berliner Band der Erstaufführung von Time Pieces wurde anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Video-Forums 2011 digital restauriert und ist seither in dieser neuen Fassung Bestandteil der Sammlung.