Ciprian Mureşan

The Pioneer

Ciprian Mureșans Werk reicht von Zeichnungen und Animationsfilmen über Fotografie bis zu Skulptur und Video. Ausgehend von den Veränderungen in den postkommunistischen Staaten nach 1989, thematisiert er in seinen Arbeiten Fragen kultureller Identität und Prozesse der Gemeinschaftsbildung. Dabei greift er auf die Kunst- und Literaturgeschichte zurück und gelangt so zu eigenwilligen Interpretationen der Gegenwart. In dem eigens für den Neuen Berliner Kunstverein entstandenen Animationsfilm Pioneer schnüffelt ein Junge aus einer Plastiktüte Klebstoff. In einem früheren Film, Baptised (2009), wird ein schreiendes Kind von einem Geistlichen in das Taufbecken getaucht. Die Animationen aus gezeichneten A4-Einzelblättern sind zeichentrickhafte Bestandsaufnahmen der sozialen Veränderungen im Neuen Europa. Bezeichnend sind die eingesetzten einfachen Mittel als Referenz auf die neuen ökonomischen Bedingungen: Mit Papier und Bleistift werden gesellschaftliche Problemfelder schemenhaft angerissen. Die soziale Kritik, die in Mureșans Arbeiten wirksam wird und bezeichnend für die „Cluj-Generation“ ist, geht weit über die geopolitische Situation in Südosteuropa hinaus, ohne sie jedoch zu leugnen. Diese Generation arbeitet an einer translokalen Neubestimmung der Rolle zeitgenössischer Kunst in sich transformierenden, traumatisierten Gesellschaften.