Halil Altındere

Escape from Hell

Halil Altındere (*1971 in Mardin, lebt in Istanbul) zählt zu einer Generation türkischer KünstlerInnen, die den kulturellen Aufbruch der Türkei in den 1990er Jahren maßgeblich mitbestimmte – als Künstler, Kurator und Verleger. Seine künstlerische Praxis gilt dem gesellschaftspolitischen Umbau der Türkei, der Beförderung eines Emanzipationsprozesses und dem Widerstand gegen repressive und nationalistische Entwicklungen in Staat und Gesellschaft. Beispielhaft für die sogenannte 1995er-Generation, die sich bewusst von der zwischen abstraktem Expressionismus und sozialkritischem Realismus changierenden Elterngeneration abwendet, steht die Repräsentationskritik im Mittelpunkt von Altınderes Werk. Altınderes Arbeiten im Medium von Video, Skulptur, Malerei, Fotografie und Performance erregen auch dadurch Aufsehen, dass sie den militärischen Apparat und die Regierungspolitik wie auch die patriarchalischen und nationalistischen Strukturen innerhalb der Türkei direkt und offen kritisieren. Den als Reaktion zu erwartenden Widerspruch der Staatsgewalt kalkuliert Altındere in seinen abgründigen Parodien bewusst mit ein. Migration, Identität und Geschlecht, aber auch Fragen nach dem Einfluss westlicher zeitgenössischer Kunstströmungen auf die aktuelle Kunstszene der Türkei prägen sein Werk. Escape from Hell entstand in den atemberaubenden Landschaften Kappadokiens und in Istanbul und ist eine Allegorie auf die zunehmenden Kämpfe zwischen den säkularen und den religiösen gesellschaftlichen Kräften in der Türkei. Verfolgungsjagden, Aspekte queerer Kultur, Fesselballonflüge und ein Karateschüler in einer Moschee, der während seiner Koranstudien in einem Yogiflug abhebt, sind die Elemente von Altınderes absurd-ironischem wie scharfzüngigem Werk, das an die Vorgängerarbeit Angels of Hell anschließt, in der Atatürk eine Wiedergeburt erlebt.