Ming Wong

Kontakthope

Ming Wong (*1971 in Singapur, lebt in Berlin) konstruiert sein eigenes Weltkino durch Verschiebungen von Sprache und Identität. Genres wie Melodram, Film Noir, Tanztheater oder Anime werden in performativen Videos seziert und zur Bühne queerer Politik und Repräsentation. Neben dem Singapurischen Kino der 1950er sind es vor allem klassische Filme von Regisseuren wie Pier Paolo Pasolini, Douglas Sirk, Rainer Werner Fassbinder, Ingmar Bergman, Ozu Yasujirō oder P. Ramlee, die er neu aufführt und interpretiert. Seine Reenactments arbeiten gezielt mit Übersteigerung und Fehlbesetzung. So werden sämtliche Rollen von männlichen Darstellern gespielt, meist von Wong selbst. Auf diese Weise fügt er den in den Filmen bearbeiteten sozialen, ethnischen oder sexuellen Identitätsaspekten einen weiteren Akzent hinzu. Für seine Einzelausstellung im Neuen Berliner Kunstverein 2010 produzierte Ming Wong die Videoinstallation Kontakthope, ein Reenactment des Tanzstücks Kontakthof (1978) von Pina Bausch. Im Originalstück, das zu den Klassikern des modernen Tanztheaters zählt, geht es unter anderem um Nähe, Verlust, Scham und Wut – ein Feld emotionaler Grenzgänge, in dem sich die PerformerInnen mit reduzierten Bewegungen verorten. Für die Produktion seiner Interpretationen Kontakthope lud Wong 22 TeilnehmerInnen zu einem Workshop ein, die dabei dieses Stück für sich zu erarbeiten versuchten. Während Pina Bausch das Stück wiederholt von LaiendarstellerInnen unterschiedlicher Altersklassen – Jugendliche oder ältere Menschen – aufführen ließ, sind es bei Ming Wong Menschen aus seinem direkten professionellen wie privaten Umkreis: KünstlerInnen und KuratorInnen, mit denen er in Berlin zu tun hat. Die Videodokumentation zeichnet parallel Probe und Aufführung der getanzten Analyse von Annäherungsversuchen in einem spezifischen Kunstfeld auf. Mit einer guten Portion Humor wird der ZuschauerIn ein raffiniertes Spiel um Verführung und Abstoßung, Nähe und Distanz vor Augen geführt.