Die Pferde des Rittmeisters


Still


2015, 00:10:27, 1080i50, color, sound, W013 01


In seinen Videoarbeiten und Mehrkanal-Installationen setzt sich Clemens von Wedemeyer mit den Bedingungen von Geschichtsschreibung auseinander und fragt nach der Rolle von kollektivem und privatem Gedächtnis wie auch der Rolle, die das Bewegtbild in diesen Zusammenhängen einnimmt. Häufiger Ausgangspunkt sind Themen aus der jüngeren deutschen Geschichte, die er in seinen Filmen neu verhandelt, die zwischen den Genres von fiktionalem Film und Dokumentation anzusiedeln sind. Von Wedemeyer bietet durch diese Verschiebung der Grenzen zwischen Realität und Fiktion alternative Sichtweisen auf historische und politische Ereignisse an. Die Pferde des Rittmeisters entstammt dem siebenteiligen Werkkomplex Point of View, der auf dokumentarischem Filmmaterial von Wedemeyers Großvater basiert, dem Rittmeister Freiherr Harald von Vietinghoff-Riesch. Zwischen 1938 und 1942 hielt der Amateurfilmer Szenen hinter der Front fest, die neben Eindrücken von zerstörten Städten und Kriegsgefangenen vor allem idyllische Landschaften und Architekturen sowie den kameradschaftlichen Umgang unter WehrmachtsoNazi-Offizieren zeigen. Die 16mm-Filme, die teils in Farbe, teils in Schwarz-Weiß gedreht wurden, waren nicht als Propaganda für die breite Masse, sondern für Vorführungen im privaten Kreis gedacht. So lagerte das 180 Minuten umfassende Filmmaterial mehrere Jahrzehnte im Haus der Eltern, bis es 1981 von Vietinghoff-Rieschs Tochter an das Bundesarchiv / Abteilung Filmarchiv übergeben wurde. Für Die Pferde des Rittmeisters zerlegt von Wedemeyer das Material nach dem Kriterium des Bildinhaltes: Er extrahiert jene Sequenzen, die Aufnahmen von Pferden zeigen, reiht sie unter Angabe ihres Entstehungsjahres und -ortes aneinander und unterlegt sie mit analytischen Kommentaren aus dem Off. Zu sehen sind Pferde in verschiedenen Rollen und Situationen: als Statusobjekte, Reittiere für Offiziere oder als Arbeitstiere, die mit Flüchtlingen besetzte Heuwagen oder Kriegsgeräte ziehen – aber auch als Tierkadaver am Straßenrand. Wedemeyer erklärt dazu: „Eher wird ein verendetes Pferd ins Bild gesetzt als tote Zivilisten. Sie werden zu einem Verweis auf den Tod anderer, die der Filmer nicht zeigen mag.“ Die Zusammenstellung suggeriert die Konstruiertheit des filmischen Mediums, das in der Auswahl seiner Bildausschnitte nicht nur bestimme Aspekte präsentiert, sondern damit immer auch andere exkludiert. So lautet einer der Kommentare von Wedemeyers: „Die eigentlichen Kämpfe liegen zwischen den Bildern.“