Tomas Schmit Retrospektive

15. September 2021 – 23. Januar 2022



Tomas Schmit, aktion ohne publikum, 1965, aufgeführt bei 24 Stunden, Galerie Parnass, Wuppertal, Foto © Dorine van der Klei

Eröffnung im Rahmen der Berlin Art Week: 15. September 2021, 12–22 Uhr

Am 15. September 2021 gilt für den Zugang zu den Ausstellungen und Veranstaltungen die Getestet-Geimpft-Genesen-Regelung (3G). Bitte registrieren Sie sich bei Ihrem Besuch per Formular für die Kontaktnachverfolgung. Es gilt die Pflicht zum Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes.


Tomas Schmit. Stücke, Aktionen, Dokumente 1962–1970
Mit Neuinterpretationen und Aufführungen von Peter Brötzmann, Nina Canell, Övül Ö. Durmusoglu, Harun Farocki, !Mediengruppe Bitnik, Charm Mone, Hajnal Németh, Alexandra Pirici, Gerhard Rühm, Lerato Shadi, Joanna Warsza

Kurator*innen: Marius Babias, Krisztina Hunya

Tomas Schmit
(*1943, †2006) hat mit seiner radikalen Infragestellung der bürgerlichen Kunst und seinen Ansätzen zu einer neuen, Kunst und Leben verschränkenden Ästhetik die Fluxus-Bewegung der frühen 1960er Jahre wesentlich mitgeprägt. Im Zentrum von Schmits Stücken und Aktionen stand die Aktivierung der Betrachter*innen: zunächst in seinen vor und mit Publikum ausgeführten Aktionen (1962–1965), später in seinen Büchern, Texten und Editionen, in denen er die Betrachter*innen mit Handlungsanweisungen konfrontierte (ab 1965), sowie in seinen Zeichnungen (ab 1969). Die umfangreiche Retrospektive stellt die konzeptuellen und ästhetischen Ansätze des Künstlers und seiner Weggefährten in den Mittelpunkt, versammelt erstmalig alle Partituren seiner Stücke, Editionen, Briefe, Foto- und Videodokumentationen und präsentiert sein nahezu vierzig Jahre umspannendes zeichnerisches Werk – mit dem Ziel, einen der bedeutendsten deutschen Aktionskünstler und Zeichner umfassend vorzustellen und sein vielseitiges Œuvre neu und in der Gegenwart zu interpretieren und zu aktivieren.

Der Neue Berliner Kunstverein (n.b.k.) gibt Einblick in das Frühwerk des Künstlers, Autors und Zeichners Tomas Schmit. Obwohl er als einer der Pioniere der Fluxus-Bewegung gilt, wurde seinen frühen Arbeiten bisher kaum Beachtung geschenkt Diese Lücke möchte das Ausstellungsprojekt im n.b.k. schließen. Präsentiert werden die bisher noch nie vollständig gezeigten Stücke des Künstlers, die die Frühphase seines Werkes bestimmten. Seine zahlreichen Original-Partituren werden erstmalig ausgestellt und von Performer*innen aufgeführt. Um den genreüberschreitenden Charakter seiner Kunst auch über den Ausstellungskontext hinaus zu reflektieren, werden in enger Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstler*innen und Weggefährten Formate entwickelt, die die Besucher*innen dazu einladen, Aktionen innerhalb und außerhalb der Ausstellung zu realisieren. Gezeigt werden Interpretationen und Aufführungen von Peter Brötzmann, Nina Canell, Harun Farocki, !Mediengruppe Bitnik, Hajnal Németh, Alexandra Pirici, Gerhard Rühm u. a., die in Auseinandersetzung mit Schmits Fluxusstücken entstanden sind. Ein zentrales Thema der Fluxus-Bewegung soll so wiederbelebt werden, das Hineinwirken künstlerischer Aktivitäten in das Alltagsleben. Die von der Fluxus-Bewegung formulierten Thesen zu der Verbindung von Kunst und Leben brachten vielfältige interdisziplinäre Ansätze hervor, die zahlreichen heute etablierten künstlerischen Ausdrucksformen den Weg bereiteten, allen voran performativen und kollektiven Praktiken.


Performance-Programm im Neuen Berliner Kunstverein

Mittwoch, 15. September 2021
Eröffnungsprogramm

Ab 16 Uhr

Zyklus für Wassereimer (oder Flaschen) – eine Interpretation von Nina Canell (Künstlerin, Berlin)
Basierend auf Tomas Schmit,
Zyklus für Wassereimer (#1), 1962

17 Uhr
Sanitas #10 – Solo Version – eine Interpretation von Hajnal Németh (Künstlerin, Berlin)
Basierend auf Tomas Schmit,
Sanitas – 200 Blatt Theater #10 (#3), 1962

18 Uhr
Five Songs, One End – ein Stück von Hajnal Németh
Basierend auf Tomas Schmit,
Two Compositions to Justify a Performance (#25), 1964

19 Uhr
Tribute to Tomas Schmit – ein Konzert von Peter Brötzmann (Musiker und Künstler, Wuppertal)
– Das Konzert kann aus gesundheitlichen Gründen leider nicht stattfinden –

Samstag, 18. September 2021
Ab 15 Uhr
Sanitas #79 – eine Interpretation von Alexandra Pirici (Künstlerin, Bukarest)
In Kooperation mit
Övül Ö. Durmusoglu & Joanna Warsza (Kuratorinnen, Berlin), Charm Mone (Sängerin und Songwriterin, Berlin, São Paulo), und Lerato Shadi (Künstlerin, Berlin)
Basierend auf Tomas Schmit,
Sanitas – 200 Blatt Theater #79 (#3), 1962
In englischer Sprache, Anmeldung hier

15. September 2021 – 15. Januar 2022
Some Activities for the 54th Biggest Town of the World – eine Interpretation von Hajnal Németh
Basierend auf Tomas Schmit,
Some Activities for the Biggest Town of the World (#20), 1963
Plakat-Aktion

9. Oktober, 6. November, 4. Dezember 2021
0–3 Uhr
Aktion ohne Publikum – eine Interpretation von Alexandra Pirici
Basierend auf Tomas Schmit,
Aktion ohne Publikum (#35), 1965
Mit
Susanne Grau (Performerin und Choreografin, Berlin)
In deutscher und englischer Sprache

September 2021 – Januar 2022
Economic Lexicon Poem – ein Stück von Hajnal Németh
Basierend auf Tomas Schmit,
Lexikon Poem (#14), 1963
In englischer Sprache

Donnerstag, 9. Dezember 2021
Attention, Attention – ein Online-Stück der !Mediengruppe Bitnik (Künstler*innen, Berlin)
Basierend auf Tomas Schmit,
Aktion ohne Publikum (#35), 1965 u. a. Stücken

Sonntag, 23. Januar 2022
20 Uhr
Performance von Joan La Barbara (Sängerin und Komponistin, New York)

Eintritt frei


Filmprogramm

Arsenal – Institut für Film und Videokunst

Freitag, 22. Oktober 2021, 20 Uhr
Reading Labels in the Dark. Flux- und andere Filme aus dem Arsenal-Archiv
Mit Filmen von George Landow, Yoko Ono, Nam June Paik, Carolee Schneemann, Chieko Shiomi u. a.
Zusammengestellt und mit einer Einführung von Ulrich Ziemons (Filmkurator, Berlin)

Eintritt: Kinokarte (8,50 €; Mitglieder Arsenal und n.b.k.: 5 €; Kinder: 3 €)
Ort: Kino Arsenal, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin


Symposium

Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin

Samstag, 23. Oktober 2021, 13–20 Uhr
Fluxus, Aktionskunst, Anti-Kunst und Performativität

13 Uhr
Begrüßung
Marius Babias, Direktor n.b.k., und Gabriele Knapstein, Kuratorin und Leiterin Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin

13.15 Uhr
Einführung
Jenny Graser, Kuratorin für zeitgenössische Kunst, Kupferstichkabinett – Staatliche Museen zu Berlin

13.30 Uhr
Keynote Lecture
Kristine Stiles, Professorin für Art, Art History and Visual Studies, Duke University, Durham, NC

14.30 Uhr
Performativität im Werk von Tomas Schmit
Jenny Graser, Susanne Rennert, Kunsthistorikerin, Autorin und Kuratorin, Düsseldorf, Dieter Mersch, Philosoph, Ästhetische Theorie, Zürich, moderiert von Julia Friedrich, Kuratorin Museum Ludwig, Köln

16.30 Uhr
Das Erbe von Fluxus – Künstler*innenrollen und Anti-Kunst heute
Zdenka Badovinac, Kuratorin und Autorin, Ljubljana, Karen Moss, Professorin für Critical Studies an der Roski School of Art and Design, University of Southern California, Kristine Stiles,
moderiert von
Beatrice von Bismarck, Professorin für Kunstgeschichte und Bildwissenschaften, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig

18.30 Uhr
Denken in hybriden Formen
Gerhard Rühm, Künstler, Köln, Alexandra Pirici, Künstlerin, Bukarest, moderiert von Krisztina Hunya, Kuratorin und Projektleiterin n.b.k.


In deutscher und englischer Sprache

Eintritt zum Symposium frei
Ort: Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, Invalidenstraße 50–51, 10557 Berlin


Publikation

n.b.k. Ausstellungen Band 25
Tomas Schmit
Herausgegeben von Marius Babias, Gerti Fietzek und Barbara Wien.
Mit einer Einleitung von Marius Babias und Krisztina Hunya sowie Texten von Tomas Schmit und Kristine Stiles.
Ca. 440 Seiten mit farb. Abb., Dt./Eng., Klappenbroschur,
19,80 € / 15,00 € (n.b.k. Mitglieder), Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln


Ausstellung im Kupferstichkabinett

sachen m a c h e n
Tomas Schmit. Zeichnung, Aktion, Sprache 1970–2006
15. Septeber 2021 – 9. Januar 2022
Kuratorin: Jenny Graser