Sammlung, Ausleihe, Kunstvermittlung, Künstler*innenförderung
1970 gegründet, besitzt die Artothek des Neuen Berliner Kunstvereins – die größte in Deutschland – über 4.000 Werke des 20. und 21. Jahrhunderts, die von Privatpersonen und öffentlichen Institutionen und Einrichtungen entliehen werden können.
Die Artothek verzeichnet über 11.000 Entleihungen im Jahr. Die Sammlung besteht aus Gemälden, Skulpturen, Objekten, Aquarellen, Collagen, Gouachen, Zeichnungen, Druckgrafiken und Fotografien. Mit den jährlichen Neuerwerbungen für die Artothek verfügt der n.b.k. über ein wichtiges Instrument der Berliner Künstler*innenförderung. Privaten Nutzer*innen wie auch Institutionen und Schulen wird in Vermittlungsprogrammen der Zugang zu Kunst und Künstler*innen ermöglicht. Die Künstlerin Silke Wagner entwickelte eigens das Stecksystem Ellen (1998) als skulpturales Display für die Präsentation, Ausleihe, Information und Archivierung der Sammlung. In wechselnden Präsentationen werden die Bestände thematisch neu akzentuiert. Mit der Artothek und den erweiterten Vermittlungsaktivitäten verfolgt der n.b.k. die demokratische Idee kultureller Bildung für die Öffentlichkeit.
Mit der Artothek mobil verfolgt der Neue Berliner Kunstverein das Ziel der Vermittlung und Förderung von Gegenwartskunst in Bildungseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Oberstufenzentren, Universitäten sowie in Institutionen, Betrieben, Krankenhäusern, Seniorenresidenzen oder anderen öffentlichen Einrichtungen. Die Artothek mobil arbeitet eng mit verschiedenen Communities zusammen und ermöglicht einen individuellen Zugang zur bildenden Kunst und ihren Entwicklungen.
Telefon: +49 30 2807022
E-Mail: artothek (at) nbk.org / artomobil (at) nbk.org
Der Neue Berliner Kunstverein verleiht grundsätzlich an alle Personen ab 16 Jahren, die ihren amtlichen Wohnsitz in Berlin haben. Die Ausleihe ist unentgeltlich. Pro entliehenem Kunstwerk wird eine Versicherungsschutzgebühr von 6 Euro pro Werk für 3 Monate (private Ausleihe, ermäßigt 3 Euro) fällig oder 18 Euro pro Werk für 3 Monate (öffentliche und betriebliche Ausleihe). Die Leihzeit beträgt maximal 1 Jahr für Mitglieder des Neuen Berliner Kunstvereins; Nichtmitglieder können Kunstwerke für maximal 6 Monate entleihen. Ausführliche Leihbedingungen und Anmeldeformular können hier heruntergeladen werden:
Neuankäufe des Jahres 2023 für die Artothek des Neuen Berliner Kunstvereins (n.b.k.), mit Display-Architektur von Silke Wagner (Ellen, 2008) © n.b.k. / Jens Ziehe, 2024
Weitere Projekte und Kooperationen
Zu den zahlreichen Institutionen und Einrichtungen, in denen regelmäßig Arbeiten aus der Sammlung Artothek im Rahmen von Ausstellungen und Vermittlungsprogrammen präsentiert werden, gehören u. a. Deutscher Lotto- und Totoblock, Labor Berlin, die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, die Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport, die Stiftung Oper in Berlin, die Lotto-Stiftung, das Fraunhofer Institut für offene Kommunikationssysteme, die Helios Kliniken, das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge sowie weitere medizinische Zentren. Die Artothek mobil bietet die Gelegenheit, Werke aus der Sammlung der Artothek in unterschiedlichen Kontexten zu entdecken.
Die Artotheken der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) und des Neuen Berliner Kunstvereins (n.b.k.) verfolgen eine umfangreiche Kooperation mit dem Ziel, die Kompetenzen beider Institutionen programmatisch in einer zeitgemäßen und zukunftsorientierten Kulturarbeit zu bündeln. Regelmäßig finden Workshops statt, in denen die beiden Häuser ihre Zusammenarbeit entwickeln. Ebenso führen ZLB und n.b.k. gemeinsame Ankaufssitzungen zum Erwerb neuer Kunstwerke durch. Die beiden Sammlungen umfassen zusammen über 6.000 Kunstwerke moderner und zeitgenössischer Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts mit einem Schwerpunkt auf Berlin. Der vielfältige Bestand der Artotheken beinhaltet Gemälde, Skulpturen, Aquarelle, Collagen, Gouachen, Zeichnungen, Druckgrafiken und Fotografien. Alle Werke stehen den Berliner Bürger*innen für die Ausleihe zur Verfügung. Die Ausleihe ist in der ZLB mit Bibliotheksausweis unentgeltlich. In der Artothek des n.b.k. wird eine geringe Versicherungsgebühr erhoben. Beide Artotheken verzeichnen über 20.000 Entleihungen jährlich.
Seit 2009 kooperiert der Neue Berliner Kunstverein mit dem Büro des Landes Berlin bei der EU in Brüssel und präsentiert vor Ort Arbeiten aus der Artothek. In Zusammenarbeit mit der Landesvertretung wurden Ausstellungen realisiert zu den Themenfeldern „Identität, Grenzen, Flucht und Vertreibung“ (mit Werken von Noel Jabbour, Shahram Entekhabi, Andrea Faciu, Sabine Hornig u. a., 2016); anlässlich des 100. Jahrestages des Ersten Weltkriegs (Hannah Höch, Pablo Picasso, Käthe Kollwitz, Lyonel Feininger, Thomas Hirschhorn u. a., 2017/2018) oder zum Thema Europa (Karin Sander, Julieta Aranda, Hans Haacke, Nasan Tur u. a., 2018–2019). Die Präsentation zum 100-jährigen Gründungsjubiläum des Bauhauses mit Werken von Anne Beothy-Steiner, Stefanie Seufert, Max Bill, Le Corbusier, Hein Spellmann, Oskar Schlemmer u. a. ist als Hommage an die legendäre Bewegung und ihre weitreichenden Einflüsse konzipiert (2019–2021).
Ausstellungsansicht ReThinking Europe, 2018, Büro des Landes Berlin bei der EU in Brüssel © Foto: n.b.k.
In seiner Ausstellung Appointed Directors im Berliner Projektraum A:D Curatorial präsentiert Ahmet Öğüt neue, erstmalig in Berlin gezeigte Werke – darunter die Installation Jump Up!, in die er Arbeiten aus der n.b.k. Artothek einbezieht. In seiner künstlerischen Praxis untersucht und hinterfragt Öğüt die Rolle von Kunstinstitutionen und Künstler*innen zugleich. In der Ausstellung werden auf spielerische Art Kunstsammlungen, Ausstellungsdisplays und institutionelle Repräsentation thematisiert. Jump Up! lädt Besucher*innen zu einer partizipativen Auseinandersetzung mit Werken von Julieta Aranda, VALIE EXPORT und Boris Mikhailov aus der Sammlung Artothek des Neuen Berliner Kunstvereins ein.
Die Ausstellung kann bis zum 15. Dezember 2022 bei A:D Curatorial besucht werden.
Ausstellungsansichten Appointed Directors, 2022, A:D Curatorial, Werke von Julieta Aranda (There has been a miscalculation, 2011); Boris Mikhailov (Untitled, a. d. S. Case History, 1997/1998/2021), VALIE EXPORT (Das Magische Spiel (The Magic Game), 2019)
© Foto: Davood Madadpoor
Das Poster Bosnian Girl (2003) ist ein Selbstporträt der Künstlerin Šejla Kamerić mit dem Graffiti eines unbekannten niederländischen Soldaten, vorgefunden an der Wand eines Armeestützpunktes in Potočari bei Srebrenica während des Bosnienkrieges (1992/1995). Truppen der Königlichen Niederländischen Armee, als Teil der UN-Schutztruppen in Bosnien und Herzegovina stationiert, waren verantwortlich für den Schutz der Sicherheitszone Srebrenica. Die Künstlerin thematisiert die Stigmatisierung und Politisierung des weiblichen Körpers im Kriegskontext sowie Fremdzuschreibungen in Bezug auf nationale Identität.
Bosnian Girl wurde zum ersten Mal als Posteraktion im öffentlichen Raum am 11. Juli 2003 in Sarajevo gezeigt, anlässlich des 18. Jahrestags des Völkermords von Srebrenica (1995), bei dem mehr als 8.000 Bosniaken, fast ausschließlich Männer und Jungen, von der Armee der Republika Srpska und serbischen Paramilitärs ermordet worden waren.
Bosnian Girl wird bis Dezember 2022 in der Artothek des Neuen Berliner Kunstvereins den Besucher*innen frei zum Mitnehmen angeboten. Šejla Kamerić ist mit den Werken Frei (2005) und EU/Others (2000) in der Sammlung Artothek vertreten.
Anlässlich der Bundesratspräsidentschaft des Regierenden Bürgermeisters von Berlin zeigte der n.b.k. von Oktober 2017 bis Oktober 2018 eine Fotoausstellung mit Arbeiten aus der Sammlung der Artothek im Bundesratsgebäude. Die Werke erinnerten an die wechselvolle Geschichte Berlins und verwiesen auf die Hauptstadt als einen Ort politischer, kultureller und gesellschaftlicher Veränderungsprozesse. Der Schwerpunkt der Ausstellung im Lichthof West des Deutschen Bundesrates lag auf dem stetigen Wandel, dem Berlin unterliegt. Die Betrachter*innen wurden mit symbolträchtigen Gebäuden und Orten konfrontiert, wie etwa dem Reichstag, der Nationalgalerie oder dem Potsdamer Platz. Das Erscheinungsbild von Zerstörung und Wiederaufbau war dabei ebenso von Bedeutung wie die Frage nach der zukünftigen Nutzung und Gestaltung des öffentlichen Raums. Verschiedene Bauweisen standen einander gegenüber und wurden in den unterschiedlichen Herangehensweisen der Künstler*innen herausgestellt. Die versammelten Werke von Andreas Greiner / Fabian Knecht, Joanna Rajkowska, Luchezar Boyadjiev, Christo, Ursula Döbereiner u. a. ergaben ein eindrückliches Porträt der Hauptstadt samt ihren vielfältigen Entwicklungen.