Irena Haiduk. Frauenbank Berlin

4. März – 1. Mai 2022



Irena Haiduk, Frauenbank Berlin, 2022. Foto: Jens Ziehe. Produktion: Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.) und Yugoexport.Irena Haiduk, Frauenbank Berlin, 2022. Foto: Jens Ziehe. Produktion: Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.) und Yugoexport.Yugoexport, REMASTER, Cabaret Économique, Dani Bauer, Irena Haiduk, Scott Kiernan, Dean Kissick, Laura McLean-Ferris, Daniel Merritt, Christian Schmitz, Maggie Selage Working, 2020 © Foto: die Künstler*innen

Soft Opening*: Freitag, 4. März, 12 – 20 Uhr

*Es gilt die 3G-Regel: Besucher*innen müssen geimpft, genesen oder getestet sein.


Kuratorin: Krisztina Hunya

Irena Haiduk erweitert mit ihren Langzeitprojekten an der Schnittstelle von Kunst, Politik und Warenkultur die tradierten Modelle der Kunstproduktion. 2015 gründete sie das Unternehmen Yugoexport, das ökonomische Zusammenhänge aufzubrechen und neu zu denken versucht. Die oftmals in Kooperation mit Kunstinstitutionen vertriebenen Produkte wie Bücher, Kleider, Gespräche oder Filme dienen Haiduk zur Etablierung divergierender Ökonomien und zur Verankerung solidarischer Formen des wirtschaftlichen Austauschs im kollektiven Gedächtnis. In ihrer Ausstellung im Showroom des n.b.k. widmet sie sich der 1910 in Berlin gegründeten Frauenbank, dem ersten Kreditinstitut, das ausschließlich von und für Frauen betrieben wurde. Noch bevor Frauen das Wahlrecht erhielten, machte die Berliner Frauenbank bis zu ihrer Auflösung 1916 deutlich, dass eine gesellschaftliche Emanzipation nur mit finanzieller Unabhängigkeit gelingen kann.

„Wirtschaftliche Infrastrukturen bilden die Grundlage aller Materialien, Arbeitsprozesse und Produkte künstlerischen Schaffens. Der Kampf um die Ermächtigung und Aufrechterhaltung von Ökonomien für diejenigen, die als anders, unsichtbar und entbehrlich gelten, dauert an. Die Aggression der gegenwärtigen politischen Systeme gegen eine Vielzahl von Menschen, einschließlich Frauen, LGBTQIA+ und People of Color, ist wirtschaftlich situiert. Die Ausstellung erinnert an ein vernachlässigtes Kapitel der deutschen Frauenbewegung und würdigt ihre Rolle in zukünftigen Wirtschaftssystemen.“ (Irena Haiduk)

Teil Haiduks Präsentation ist
Das Epos der Berliner Frauenbank erzählt von der Politologin Gilla Dölle, deren Forschung die finanziellen Aspekte der deutschen Frauenrechtsbewegung in den Fokus rückt. Ihre Recherchen dienen auch als Ausgangspunkt für eine nachfolgende Publikation über die Geschichte und das Erbe der Berliner Frauenbank als Pilotprojekt. Unterstützt wird das Vorhaben über den Verkauf einer limitierten Auflage von Yugoexport Work Shirts (2021) – Arbeitshemden, die jugoslawischen Fabrikjacken der 1960er und 1970er Jahre nachempfunden sind und für einen auf dem individuellen Einkommen der Käufer*innen basierenden Preis über den n.b.k. erworben werden können. Der Kauf eines Shirts ist an einen Vertrag gebunden, der vorschreibt, das Kleidungsstück nur während der Arbeitszeit zu tragen.


Irena Haiduk leitet das Kunstunternehmen Yugoexport, dessen Gründungslogik auf der Gleichwertigkeit, Loyalität und familiären Solidarität zwischen Menschen und Dingen basiert. Yugoexport wurde als Kopie des ehemaligen jugoslawischen Bekleidungs- und Waffenherstellers Jugoeksport ins Leben gerufen. Das Projekt ist formal in den Vereinigten Staaten eingetragen, wurde in Paris gestartet und unterhält seinen Hauptsitz in New York, wo es langsam, im Rhythmus seiner eigenen Ökonomie agiert. Seine Maxime lautet
How to Surround Your Self With Things in the Right Way (Wie man sich auf die richtige Weise mit Dingen umgibt) und beinhaltet als zentrales Prinzip die Produktion von Bildern, Büchern, Kleidung, Reden, Filmen, Szenografien und verschiedenartigen Räumen. Yugoexport und Irena Haiduk haben zuletzt zusammengearbeitet u. a. mit Kunst Halle Sankt Gallen (2022); Swiss Institute, New York (2020); documenta 14, Kassel und Athen (2017); Whitney Museum of American Art, New York (2017); und The Renaissance Society, University of Chicago (2015).


Diskursprogramm

8. März 2022
Das Epos der Berliner Frauenbank
Erzählt von Gilla Dölle (Politologin, Mitbegründerin Archiv der deutschen Frauenbewegung, Kassel), auf der Website des n.b.k.

April 2022
Künstleringespräch
Mit Irena Haiduk und Darby English (Professor für Kunstgeschichte,
University of Chicago), der Termin wird auf www.nbk.org bekanntgegeben.
In englischer Sprache

30. April 2022, 21 Uhr
Yugoexport. Cabaret Économique
Performance mit Irena Haiduk, Dean Kissick (Autor und Redakteur, Spike Magazine, New York), Christian Schmitz (Musiker und Komponist, Berlin), u. a.
Ort: Anita Berber, Pankstraße 17, 13357 Berlin
Tickets ab April im Vorverkauf unter www.nbk.org
Einlass: 20 Uhr / Performance 21:00 Uhr