Natascha Sadr Haghighian. passing one loop into another 
Hannah-Höch-Förderpreis 2020

12. Juni – 31. Juli 2020



Natascha Sadr Haghighian. passing one loop into another, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2020 © Foto: Jens ZieheNatascha Sadr Haghighian. passing one loop into another, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2020 © Foto: Jens ZieheNatascha Sadr Haghighian. passing one loop into another, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein (Detail), 2020 © Foto: Jens ZieheNatascha Sadr Haghighian. passing one loop into another, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2020 © Foto: Jens ZieheNatascha Sadr Haghighian. passing one loop into another, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein (Detail), 2020 © Foto: Jens Ziehe
Kuratorin: Anna Lena Seiser

Natascha Sadr Haghighian entwickelt Installationen, Video- und Audioarbeiten sowie performative Interventionen, die die Infrastrukturen und Bedingtheiten unserer Gesellschaftsordnung offenlegen. Ausgehend von aktuellen wie historischen Ereignissen, widmet sie sich der Frage, wie unsere Handlungsspielräume, Blickstrukturen und letztlich unser Denken formiert sind. Sie zeigt die komplexen Verflechtungen und die gegenseitige Durchdringung von Technologie, Politik, Wertschöpfungssystemen und dem Biologischen auf und stellt ein anthropozentrisches Selbstverständnis infrage.

Sadr Haghighian wird 2020 vom Land Berlin mit dem Hannah-Höch-Förderpreis für herausragende künstlerische Leistungen in der Mitte ihrer Karriere gewürdigt. Anlässlich ihrer Auszeichnung präsentiert die Künstlerin im Showroom des Neuen Berliner Kunstvereins (n.b.k.) eine Reihe von Werken, in denen heterogene thematische Stränge sich in der Figur eines Tieres verknüpfen. In der zentralen Installation
passing one loop into another (2017) steht die asiatische Tigermücke im Mittelpunkt. Das ursprünglich in den südostasiatischen Subtropen beheimatete Insekt wurde als Überträger von Erregern und Krankheiten wie dem Zika-Virus bekannt. In den frühen 1990er Jahren, parallel zur durch das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) beschlossenen Deregulierung des Welthandels und einer zunehmenden Erderwärmung, wird die Tigermücke zum ersten Mal in Italien gesichtet. Um sich vor ihr zu schützen, entwickelten die Italiener*innen eine neuartige Allianz mit der heimischen Pippistrellus – einer Zwergfledermaus, die sich von Insekten ernährt. Die Installation zeigt ein überlebensgroßes Modell der Tigermücke, das über einer mit industriellen Garnrollen bestückten Palette thront. Das Garn stammt aus der italienischen Stadt Prato, einem Zentrum der globalisierten Textilindustrie. Über dem Insekt erklingen die biosonaren Jagdgeräusche der Pippistrelli, abgesenkt auf für den Menschen hörbare Frequenzen.

Der Titel
passing one loop into another ist eine Handlungsanweisung im sogenannten „Fadenspiel“ (auf Englisch: „string figures“), einer weltweit verbreiteten Kulturtechnik, bei der ein geschlungener Faden über mehrere, algorithmisch beschreibbare Zwischenschritte mit den Händen zu einem Bild verknüpft wird.

Natascha Sadr Haghighian war Vertreterin Deutschlands auf der Biennale Venedig 2019 und Teilnehmerin der Documenta 13 (2012) und Documenta 14 (2017). Zur Ausstellung erscheint ein umfänglicher Übersichtskatalog im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln.


Swarm.7 von Diane Barbé

Anlässlich der Ausstellung passing one loop into another hat die Berliner Klangkünstlerin Diane Barbé das interaktive Soundstück Swarm.7 für die Homepage des n.b.k. entwickelt – es kann hier individuell aktiviert und angehört werden:
www.nbk.org/passing_one_loop_into_another.html


Ausstellungsgespräche

Donnerstag, 16. Juli 2020, 19 Uhr
Künstlerinnengespräch mit Natascha Sadr Haghighian und Anna Lena Seiser (Leiterin des n.b.k. Video-Forum)
In deutscher Sprache

Donnerstag, 30. Juli 2020, 19 Uhr
Natascha Sadr Haghighian im Gespräch mit Fahim Amir (Philosoph und Autor, Wien)
In deutscher Sprache

Begrenzte Teilnehmer*innenzahl – Anmeldung erforderlich.
Bitte nutzen Sie hierfür unser Online-Formular.



Die Ausstellung wird gefördert durch die Kulturverwaltung des Landes Berlin.

Der Neue Berliner Kunstverein wird gefördert durch die LOTTO-Stiftung Berlin.