Candice Breitz. Labour

12. September – 25. Oktober 2019



Candice Breitz, 2019 © Tobias Zielony
Kuratorin: Kathrin Becker


Die Künstlerin Candice Breitz (*1972 in Johannesburg, lebt in Berlin) ist eine einflussreiche Chronistin der Widersprüchlichkeiten innerhalb populärer Diskurse. Ihr Interesse richtet sich auf die Dynamiken vertrauter Identitätsbildungen, die sie über komplexe Videoproduktionen und oftmals unter Hinzuziehung von Medienbildern wie Fotografien, Videoclips oder Hollywood-Produktionen analysiert. In Zusammenarbeit mit dem Neuen Berliner Kunstverein realisiert Breitz eine neue Videoarbeit, die im Rahmen einer Einzel-ausstellung welturaufgeführt wird und in die Bestände des n.b.k. Video-Forums übergeht.

Candice Breitz thematisiert in ihren Werken wiederholt das Verhältnis von persönlichen wie politischen Kämpfen für ein besseres Leben und deren öffentlicher Wahrnehmung. Ihr Werk
Love Story (2016) konfrontiert die Mediatisierung realer und leidvoller menschlicher Erfahrungen. Erfahrungsberichte von Geflüchteten aus Kriegs- und Krisengebieten wie Somalia und Syrien sowie von aufgrund ihrer politischen Haltung Vertriebenen werden den auf die Emotionalität spekulierenden Wirkmechanismen der Filmindustrie gegenübergestellt: Während den von den Geflüchteten selbst vorgetragenen Erlebnisberichten meist wenig Empathie zukommt, erzeugen sie umso mehr Mitgefühl, wenn sie durch die Schauspieler*innen Julianne Moore und Alec Baldwin im Stil des Hollywood-Dramas dargelegt werden. Für TLDR (2017) arbeitete Breitz mit Sexarbeiter*innen aus Kapstadt zusammen und machte ihre Proteste gegen Stigmatisierung und Kriminalisierung zum Ausgangspunkt einer musikalischen Inszenierung. Hier setzt sich die anhaltende Auseinandersetzung mit der Beziehung von Weißsein, Privilegien und Sichtbarkeit, den Auswirkungen gegenwärtiger Aufmerksamkeitsökonomien sowie den Möglichkeiten aktivistischen Kunstschaffens im Werk von Candice Breitz fort.


Candice Breitz ist seit 2007 Professorin an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Einzelausstellungen (Auswahl): West Den Haag (2019); Boston Museum of Fine Arts (2018); Kunstmuseum Stuttgart (2016); National Gallery of Canada, Ottawa (2013); Iziko South African National Gallery, Kapstadt (2012); Kunsthaus Bregenz (2010); The Power Plant, Toronto (2009); San Francisco Museum of Modern Art (2009); Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk (2008); Museo de Arte Contemporáneo de Castilla y León (2007); Baltic Centre for Contemporary Art, Gateshead (2006); Palais de Tokyo, Paris (2005); Moderna Museet, Stockholm (2004); De Appel Foundation, Amsterdam (2001). Breitz nahm an zahlreichen Gruppenausstellungen sowie an folgenden Biennalen teil: Aichi (2019), Sharjah (2019), Cleveland (2018), Dakar (2014), Singapur (2011), Göteborg (2009), New Orleans (2008), Venedig (2005), Gwangju (2000), Taipei (2000), Istanbul (1999), São Paulo (1998) und Johannesburg (1997). 2017 vertrat sie Südafrika auf der 57. Venedig Biennale.