These Are the Only Times You Have Known

7. März – 3. Mai 2020

Eröffnung: Freitag, 6. März, 19 Uhr

Künstler*innen: Frauke Boggasch, Ursula Döbereiner, Calla Henkel & Max Pitegoff, Leon Kahane, Şener Özmen, Doireann O’Malley, Sabine Reinfeld, Maya Schweizer, Lerato Shadi, Rui Vilela, Philip Wiegard
Kurator*innen: Arkadij Koscheew, Michaela Richter


In der Ausstellung
These Are the Only Times You Have Known wird das Werk von elf internationalen Künstler*innen präsentiert, die 2019 mit dem Arbeitsstipendium Bildende Kunst des Berliner Senats ausgezeichnet wurden. Die Bandbreite der Positionen trägt der Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen in Berlin Rechnung und umfasst die Auseinandersetzung mit verschiedenen Zeitebenen, verborgenen Geschichten, Fragen der Zugehörigkeit und Performativität. Die Frage nach der Sinnstiftung im Jetzt ist dabei ein verbindendes Element aller in These Are the Only Times You Have Known versammelten künstlerischen Werke, deren Spektrum von Gemälden, Fotografien, Drucken und Videoinstallationen bis hin zu Virtual Reality-Arbeiten reicht.

Ein wichtiger Bezugspunkt der in der Ausstellung präsentierten Arbeiten ist die Beschäftigung mit Fragen der Zeitlichkeit: So analysiert Maya Schweizer in zwei Videoessays Bilder und Räume des Vergessens, während Frauke Boggasch in ihren großformatigen Gemälden schemenhafte Wesen hervorbringt, die aus der Vergangenheit durch eine flüchtige Gegenwart geistern. Leon Kahane schichtet Texte, Bilder und Dokumente aus Archiven übereinander, um so Verbindungslinien zwischen seiner Familiengeschichte und politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts aufzuzeigen.

Die Frage, wie Wissen bewahrt und weitergegeben werden kann sowie Gemeinschaften entstehen lässt, steht im Zentrum der rechercheintensiven Praxis von Rui Vilela, der das bisher verborgene Tonarchiv der staatlichen Rundfunkanstalt von Guinea-Bissau vor dem Hintergrund der portugiesischen Kolonialherrschaft zutage fördert. Lerato Shadi befragt die Konstitution einer Gesellschaft über ihre auf Dauer angelegte Verfassung und die damit verbundenen Ein- und Ausschlüsse sowie politischen Handlungsmöglichkeiten. Calla Henkel & Max Pitegoff untersuchen die Genese temporärer Gemeinschaften im Raum zwischen Skript und Improvisation, Spiel und Authentizität.

Darüber hinaus beleuchten mehrere Positionen die Verbindung von Material, Körper und Form sowie damit einhergehende Bewegungen von Formgebung und -verlust: Ursula Döbereiner nutzt die technischen Eigenschaften des Dispositivs Scanner und Drucker, um mit wuchernd angeordneten Tintenstrahldrucken direkt auf den Ausstellungsraum zu reagieren. Philip Wiegard setzt für seine aus PVC-Modelliermasse gearbeiteten Tableaus einzelne Bildelemente zusammen, die aus dreidimensionalen Körpern herausgeschnitten und damit zu seriell produzierten Flächen werden, die die spezifischen Möglichkeiten des Materials reflektieren.

Sabine Reinfeld verhandelt in ihrer 3-Kanal-Videoinstallation die Frage nach Oberfläche und Tiefe, inszenierten Welten und damit verbundenen Emotionen, indem sie Prozesse der De- und Rematerialisierung sowie die Bildwerdung des Körpers vor kulissenhaften Landschaften reflektiert. Doireann O’Malley erschafft mittels Virtual Reality Orte, die zwar auf existierenden Räumen aufbauen, diese jedoch spekulativ zu einer virtuell erlebbaren Welt neu zusammensetzen. Der Protagonist in Şener Özmens 3-Kanal-Videoinstallation bewegt sich zwischen popkultureller Referenz und politischem Programm, zwischen Diyarbakır und Berlin und entschwindet auf seiner Suche nach einer vergangenen Utopie.

Der Titel der Ausstellung ist dem Erfolgsalbum
Let Them Eat Chaos der britischen Sängerin und Lyrikerin Kate Tempest entlehnt. Im Eröffnungssong Picture A Vacuum reist dessen Protagonistin von der abstrakten, zeitlosen Schwärze des Universums zum Planeten Erde, einem Sturz in die Jetztzeit gleich. Die Zeile These Are the Only Times You Have Known unterstreicht die Zeitgenossenschaft der in der Ausstellung versammelten Positionen und rückt zugleich die individuellen künstlerischen Leistungen in den Vordergrund, die jede auf ihre eigene Art Fragen an die Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft formulieren.


Diskursprogramm

Dienstag, 17. März 2020, 19 Uhr
On View: Neuerwerbungen 2019 für die Sammlung des n.b.k Video-Forums
Screening mit Videoarbeiten von John Bock, Pauline Boudry / Renate Lorenz, Candice Breitz,
Eduard Constantin, Antje Ehmann und Eva Stotz, Tomas Schmit, Hito Steyerl, Clarissa Thieme

Donnerstag, 26. März / 16. April / 30. April 2020, jeweils 19 Uhr
Love the idea of being live! #1–3
Performative Aktivierung der Installation Cars Land (2020) von Sabine Reinfeld (Künstlerin, Berlin)

Donnerstag, 2. April 2020, 19 Uhr
Recipes for Survival. A Village in the Backlands of Southern Brazil
Podiumsdiskussion mit Maria Thereza Alves (Künstlerin, Berlin und São Paulo),
Wilma Lukatsch (Kunsthistorikerin und Autorin, Kollegiatin im DFG-Graduiertenkolleg
„Das Wissen der Künste“, Universität der Künste Berlin) und Teodora Kotseva
(Kulturmanagerin, Kuratorin und Autorin, Berlin)
In englischer Sprache

Sonntag, 3. Mai 2020, 19 Uhr
Moving Backwards
Performance und Buchpräsentation mit Pauline Boudry / Renate Lorenz (Künstlerinnen, Berlin)
und Werner Hirsch (Performer, Berlin), Konzert von Aérea Negrot (Musikerin und Performerin, Berlin)
In englischer Sprache

Eintritt frei zu allen Veranstaltungen


Publikation
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation in der Reihe „n.b.k. Berlin“ im Verlag der Buchhandlung
Walther König, Köln, mit einem Vorwort von Klaus Lederer und Marius Babias sowie Texten von
Arkadij Koscheew, Michaela Richter und Marlene Streeruwitz.


An Karfreitag, den 10. April 2020, bleibt die Ausstellung geschlossen.