Donnerstag, 8. Juli 2021, 17 Uhr
Künstleringespräch

Mit Dara Birnbaum (Künstlerin, New York) und Stuart Comer (The Lonti Ebers Chief Curator of Media and Performance, The Museum of Modern Art, New York), moderiert von Arkadij Koscheew (Kurator, Berlin)
In englischer Sprache

Anlässlich der Ausstellung Dara Birnbaum. Talking Back to the Media und ausgehend von den hier präsentierten Werken spricht Dara Birnbaum mit Stuart Comer über ihre künstlerische Praxis, die Hintergründe von kanonischen Werken wie Technology/Transformation: Wonder Woman (1978–1979) und Kiss the Girls: Make Them Cry (1979), sowie die Kontexte, in denen die Arbeiten präsentiert wurden. Dabei rückt insbesondere der Umgang der als Architektin ausgebildeten Birnbaum mit räumlichen Arrangements in den Fokus und verdeutlicht ihr Verständnis von Raum sowohl als gebautes als auch als soziales Gefüge. Birnbaum stellte ihre Arbeiten nicht nur in Kunsträumen, sondern auch in Schaufenstern von Friseursalons oder in Nachtclubs aus – dies bildet den Ausgangspunkt für Betrachtungen der Künstlerin zu unterschiedlichen Distributionsmodi von Videokunst in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren. Zu dieser Zeit begann Video sich als Medium der Kunst zu etablieren – eine Entwicklung, zu der Birnbaums Wirken maßgeblich beigetragen hat.

Katalysatoren für die Präsentation und Verbreitung von Videokunst im New York der späten 1970er Jahren waren vor allem Vertriebe wie Electronic Arts Intermix und unabhängige Kunsträume wie Artists Space, wo Birnbaum 1977 ihre erste Einzelausstellung hatte. Dort präsentierte sie auch die Arbeit
Lesson Plans (To Keep the Revolution Alive) (1977), die Birnbaums Beschäftigung mit dem Fernsehen einläuten sollte und im n.b.k. erstmals in Deutschland gezeigt wird. Der Vertrieb von Einzeltapes, die Herausgabe der Künstler*innenpublikation Note(s): Work(ing) Process(es) Re: Concerns (That Take On / Deal With) (1977), welche 2021 im New Yorker Verlag Primary Information erscheint, und die Präsentation von raumgreifenden Installationen wie Rio Videowall (1989) und Tiananmen Square: Break-In Transmission (1990) sind weitere Formen der erfolgreichen Verbreitung von Videokunst, denen sich das Künstlerinnengespräch widmet:




Dara Birnbaum (*1946 in New York, lebt und arbeitet ebenda) lehrt als Professorin an der School of Visual Arts in New York und hatte Lehraufträge an zahlreichen Hochschulen, wie der Städelschule in Frankfurt/Main, der Princeton University und dem California Institute of the Arts in Valencia/ Kalifornien inne. Birnbaum war mehrmals auf der Documenta in Kassel (1992; 1987; 1982) sowie der Biennale Venedig (2015; 2003; 2001; 1995; 1984) vertreten. Umfassende Einzelausstellungen waren u. a. zu sehen: Cleveland Museum of Art (2018); Serralves Foundation, Porto (2010); S.M.A.K., Gent (2009); Museum of Modern Art, New York (2008); The Jewish Museum, New York (2003).

Stuart Comer (*1969, lebt und arbeitet in New York) ist seit 2013 der Lonti Ebers Chief Curator of Media and Performance am Museum of Modern Art (MoMA) in New York. 2014 war er Ko-Kurator der Whitney Biennale und von 2004 bis 2013 als erster Kurator für Film an der Tate Modern in London tätig. 2009 gab er die Anthologie
Film and Video Art (London: Tate Publishing) heraus. Comers Texte erschienen in Artforum, Frieze, Afterall, Mousse, Parkett und Art Review. Am MoMA kuratierte er Ausstellungen u. a. mit Pope.L, Haegue Yang, Tania Bruguera und Alexandra Bachzetsis.