Samstag, 4. Dezember 2021, 00 Uhr
Aktion ohne Publikum

Tomas Schmit, Aktion ohne Publikum, 1965, Typoskript auf Papier, tomas schmit archiv, BerlinTomas Schmit, Action without Audience, 1965, typescript on paper, tomas schmit archiv, Berlin
0–3 Uhr
Eine Interpretation von Alexandra Pirici, basierend auf Tomas Schmit,
Aktion ohne Publikum (#35), 1965, mit Susanne Grau (Performerin und Choreografin, Berlin)
In deutscher und englischer Sprache


In ihren komplexen Live-Arbeiten verbindet Alexandra Pirici häufig Performancekunst, zeitgenössischen Tanz und Skulptur. Anlässlich der Ausstellung im Neuen Berliner Kunstverein interpretiert Pirici Tomas Schmits
Aktion ohne Publikum (1965), ein dem Gestus der „Anti-Aktion“ verpflichtetes Stück, das die Abkehr des Künstlers von der Fluxus-Bewegung und der zunehmenden Selbstinszenierung ihrer Protagonist*innen markierte. Schmit sah vor, dass die Aktion nur dann aufgeführt wird, wenn keine Besucher*innen anwesend sind, sodass die ausgeführte Aktivität unsichtbar bleibt. Die Zeit mit dem Publikum wird so zu einer Art Leerstelle, einem undefinierten Möglichkeitsraum für den Austausch zwischen Performer*in und Besucher*in. Pirici nimmt diese radikale Hinterfragung des Formats der Aufführung zum Ausgangspunkt, um Fragen nach Präsenz sowie sichtbarer und unsichtbarer Arbeit zu formulieren. An drei Terminen wird zwischen 0 und 3 Uhr nachts ein eigenes konzipiertes Stück von der Performerin und Choreografin Susanne Grau aufgeführt, dessen Form und Inhalt unbekannt bleibt. Stattdessen präsentiert sich das Potenzial einer Situation, die sich dem Spektakel performativer Inszenierung gänzlich entzieht.



Susanne Grau (*1988 in Passau) lebt in Berlin, wo sie als Tänzerin, Performerin und Choreografin arbeitet. Sie studierte zeitgenössischen Tanz an der Hochschule für Musik und Theater in Köln und absolvierte den Masterstudiengang Performing Arts Practice and Visual Culture am Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid. Im Jahr 2015 erhielt sie das danceWEB-Stipendium des ImPulsTanz Festivals Wien. Als Performerin hat sie u. a. mit den Künstler*innen und Choreograf*innen May Zarhy, Fabrice Mazliah, Mårten Spångberg, Davis Freeman, Özlem Alkis, Choy Ka Fai, Maayan Danoch, Prue Lang, Juana del Mar Jiménez Infante und Reut Shemesh gearbeitet. Als Künstlerin schafft sie zudem eigene Werke, die sie häufig in Kollaboration mit u. a. Adriana Gheorghe, Alma Toaspern, Rocio Marano und Hend Elbalouty realisiert.

Alexandra Pirici (*1982 in Bukarest) lebt und arbeitet in Bukarest. Zuletzt waren ihre Projekte u. a. zu sehen: Chicago Architecture Biennale (2019); New Museum, New York (2018); Skulpturprojekte Münster (2017); Neuer Berliner Kunstverein (2017); 9. Berlin Biennale (2016); Tate Modern, London (2016); Museum Ludwig, Köln (2016); Manifesta 10, St. Petersburg (2014); Centre Pompidou, Paris (2014); Van Abbemuseum, Eindhoven (2014); Museum of Modern Art, Warschau (2014); 55. Venedig Biennale, Rumänischer Pavillon (2013).