Mittwoch, 15. September 2021, 16 Uhr
Eröffnungsprogramm

Hajnal Németh, Five Songs, One End (Systematic Assimilation Version – Score), 2021, Ordner mit Textilbezug, Foto © die Künstlerin
Interpretationen und Aufführungen von Peter Brötzmann, Nina Canell, Hajnal Németh

Ab 16 Uhr
Zyklus für Wassereimer (oder Flaschen) – eine Interpretation von Nina Canell
Basierend auf Tomas Schmit,
Zyklus für Wassereimer (#1), 1962

Nina Canell arbeitet in ihren skulpturalen Installationen mit Transformation und Materialität. Die verwendeten Stoffe reichen von Strom und Wasser bis hin zu Unterseekabeln, Kaugummis oder Schnürsenkeln und zeugen von der Auseinandersetzung der Künstlerin mit Energieverteilung und deren teilweise verborgenen Wirkungsweisen. Canells Fokus liegt nicht auf dem fertigen Kunstobjekt, sondern auf den temporären und materiellen Aspekten von Prozess und Synergie. Anlässlich der
Tomas Schmit Retrospektive interpretier Canell Schmits zentrales Werk Zyklus für Wassereimer (und Flaschen) (1962) und überführt die ihm zugrunde liegenden Reflexionen über das Wesen von Zeit, Materie und Prozessualität in eine skulpturale Situation.


17 Uhr
Sanitas #10 – Solo Version – eine Interpretation von Hajnal Németh
Basierend auf Tomas Schmit, Sanitas – 200 Blatt Theater #10 (#3), 1962
Aufgeführt von: Tobias Christl, Júlia Koffler, Erik Leuthäuser, Fama M’Boup, Dora Osterloh


18 Uhr
Five Songs, One End – ein Stück von Hajnal Németh
Basierend auf Tomas Schmit, Two Compositions to Justify a Performance (#25), 1964
Aufgeführt von: Tobias Christl, Júlia Koffler, Erik Leuthäuser, Fama M’Boup, Dora Osterloh

Hajnal Németh arbeitet an den Schnittstellen von bildender Kunst und Musik, ihr interdisziplinäres Schaffen umfasst Performances, Rauminstallationen und Bewegtbildformate. Ihre Werke gründen auf Notationen, Liedtexten, Gedichten oder Prosafragmenten aus so unterschiedlichen Quellen wie der Popmusik, klassischen Genres, Fluxus-Scores sowie Texten der Künstlerin. Ihr experimenteller Umgang mit Zeit, Rhythmus, Intonation sowie ihre spielerische Hinterfragung von Bedeutungsstrukturen manifestieren sich oft in minimalistischen Eingriffen in das vorhandene Material, mit denen sie etwa den Sinn eines gesprochenen oder gesungenen Satzes verdreht. In ihrer fortdauernden Zusammenarbeit mit Sänger*innen, Chören und Schauspieler*innen zeigt sie, wie Zusammenhänge arbiträr konstruiert und wieder seziert werden können. In Auseinandersetzung mit dem Werk Tomas Schmits hat Németh als Grundlage ihrer Interpretationen explizit solche Stücke ausgewählt, die das Zufallsprinzip zum sinnstiftenden Maßstab erklären oder die Wahrnehmung von Zeit und Dauer in einem konzeptuellen Umkehrschluss destabilisieren.


19 Uhr
Tribute to Tomas Schmit – ein Konzert von Peter Brötzmann
– Das Konzert kann aus gesundheitlichen Gründen leider nicht stattfinden –

Peter Brötzmann gilt als einer der einflussreichsten deutschen Jazzmusiker, als Mitglied des Globe Unity Orchestra und darüber hinaus prägte und beförderte er maßgeblich den modernen europäischen Free Jazz. In den frühen 1960er Jahren betätigte er sich als Künstler in der Fluxus-Bewegung und assistierte Nam June Paik gemeinsam mit Tomas Schmit u. a. bei der Installation der Ausstellung Exposition of Music – Electronic Television (1963) in der Galerie Parnass, Wuppertal. Brötzmann, der Tomas Schmit in einer lebenslangen Freundschaft verbunden war, widmet seinem Weggefährten anlässlich der Einzelausstellung im Neuen Berliner Kunstverein ein Konzert.



Peter Brötzmann (*1941 in Remscheid, lebt und arbeitet in Wuppertal) ist Jazzmusiker und bildender Künstler. Während er sich als Kind zunächst selbst das Klarinettespielen beibrachte, wandte er sich später verstärkt dem Saxophon und einer zunehmend freien Spielweise zu. Unter seinem eigenen Label BRÖ veröffentlichte Brötzmann 1968 die Schallplatte Machine Gun, die heute als Meilenstein in der Geschichte des modernen Jazz in Europa gilt. 1969 gründete Brötzmann u. a. mit Jost Gebers in Berlin das Label Free Music Production (FMP), das sich primär der Förderung des Free Jazz verschrieb. Ab den 1980er Jahren trat Brötzmann bei zahlreichen Festivals, wie dem Total Music Meeting oder den Berliner Jazztagen, und im Rahmen umfangreicher Tourneen durch die USA und Japan auf. Im Laufe seiner Karriere kooperierte Brötzmann mit zahlreichen weiteren Hauptakteur*innen der Freien Musik, darunter Don Cherry, Steve Lacy, Louis Moholo, Bill Laswell, William Parker, Heather Leighton, Hamid Drake, Derek Bailey, Evan Parker, Anthony Braxton und Rashied Ali. 2011 wurde Brötzmann für sein Lebenswerk mit dem Deutschen Jazzpreis ausgezeichnet.

Nina Canell (*1979 in Växjö / Schweden) lebt und arbeitet in Berlin. Ihr Werk wurde im Rahmen von internationalen Einzelausstellungen präsentiert, u. a.: Kunsthalle Baden-Baden (2019); Kunstmuseum St. Gallen (2018); S.M.A.K., Gent (2018); Museo Tamayo, Mexico City (2017); The Artist’s Institute, New York (2017); Moderna Museet, Stockholm (2014–2015); Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin (mit Rolf Julius, 2012); Kunsthalle Fridericianum, Kassel (2011). Canell nahm an mehreren Biennalen teil, u. a.: Cuenca / Ekuador (2018); Venedig (2017); Lyon (2015); Sydney (2012); Liverpool (2011). Sie partizipierte außerdem an der Manifesta (2008) sowie an zahlreichen Gruppenausstellungen, u. a.: Guggenheim, Bilbao (2018; 2019), Palais de Tokyo, Paris (2012); Museum of Modern Art, New York (2010).

Hajnal Németh (*1972 in Szőny / Ungarn) lebt und arbeitet in Berlin. 2020 gründete sie den Berliner Projektraum Yellow Solo für zeit- und prozessbasierte Formate, die sich mit musikalischen Systemen und Bezügen auseinandersetzen – bisher wurden u. a. Werke von Arnold Dreyblatt, Annika Kahrs und Hassan Khan gezeigt. Némeths Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in renommierten Kunstinstitutionen präsentiert, u. a.: The Jewish Historical Museum, Amsterdam (Solo, 2017); Ludwig Museum, Budapest (2017; 2016; 2003); Kunstmuseum Stuttgart (2015–2017); Palais de Tokyo, Paris (2012); Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (2009); Gropius Bau, Berlin (2005); Tate Modern, London (2004). 2011 präsentierte Németh ihr Werk in einer Einzelausstellung im Ungarischen Pavillon auf der Biennale Venedig.