Dienstag, 8. Oktober 2019, 20 Uhr
Die Inszenierung des Urbanen

Screening aus der Sammlung des n.b.k. Video-Forums, ausgewählt von Kristina Paustian (n.b.k. Video-Forum), mit einem Kommentar von Sophia Gräfe (Medien-und Kulturwissenschaftlerin, Leibniz-Zentrum für Literatur-und Kulturforschung, Berlin)

Filme von Denis Beaubois, in the event of Amnesia the city will recall… (1997); Arno Brandlhuber / Christopher Roth, Are You Happy? (2012); KP Brehmer, Walkings Nr. 1–6 (1969–1970); Niklas Goldbach, Habitat C3B (2008); Allan Kaprow, Sweet Wall (1970); Holly Zausner, The Beginning (2003)


Die Ausstellung
1989–2019: Politik des Raums im Neuen Berlin skizziert die urbanistische und architektonische Entwicklung vom vermeintlichen „Ende der Geschichte“ her: Wie ist Berlin zu dem geworden, was es heute ist? Im Rahmen eines Screenings werden ausgewählte künstlerische Arbeiten aus der Sammlung des n.b.k. Video-Forum rund um das Thema Urbanität präsentiert. Sie thematisieren Strategien im Umgang mit der Stadt und zeigen die Stadt als Kulisse wie als Protagonist:

In seiner Experimentalfilmreihe Walkings (1969–1970, 15:18 min) untersucht K. P. Brehmer (*1938 in Berlin; †1997 in Hamburg) in sechs Sequenzen signifikante Objekte und Strukturen innerhalb der Stadtlandschaft Berlins und die Veränderungen, die sich durch deren mediale Repräsentation ergeben.

Die Aktion Sweet Wall (1970, 10:01 min) von Allan Kaprow (*1927 in Atlantic City; †2006 in Encinitas/USA) fand am 9. November 1970 in Berlin statt. Parallel zur Berliner Grenzmauer errichtete Kaprow aus 500 Hohlblocksteinen, Toastbrot und Fruchtmarmelade eine zweite Mauer, die bald darauf von ihm zerstört wurde.

in the event of Amnesia the city will recall… (1997, 9:59 min) von Denis Beaubois (*1970 in Moka/Mauritius, lebt in Sydney) persifliert die Sicherheitsbestrebungen einer Kontrollgesellschaft, indem der Künstler mithilfe von beschrifteten Papptafeln mit einem Überwachungsapparat in Dialog tritt.

Habitat C3B (2008, 7:36 min) von dem Berliner Medienkünstler Niklas Goldbach (*1973 in Witten, lebt in Berlin) entstand in einem 1970 erbauten Gebäudekomplex im 15. Arrondissement in Paris. Ein geklonter Protagonist rennt durch den verschachtelten Bau. In weißen Hemden und schwarzen Anzughosen gekleidet, wirkt er wie ein Stellvertreter des modernen Stadtbewohners, der auf der Jagd nach sich selbst ist.

In der Found-Footage-Videoarbeit
Are You Happy? (2012, 5:35 min, n.b.k. Koproduktion) von Arno Brandlhuber (*1964 in Wasserlos, lebt in Berlin) und Christopher Roth (*1964 in München, lebt in Berlin) erlauben Werbefilme, mit denen Großinvestoren ihre Bauprojekte vorstellen, einen Blick hinter die Fassade der Berliner Luxusarchitektur.

The beginning … (2003, 7:17 min) dokumentiert eine Performance von Holly Zausner (*1951 in New Jersey, lebt in New York und Berlin) auf den Dächern von Berlin – darunter das von dem gleichnamigen Modernisten entworfene Tauthaus, die von Mies van der Rohe gestaltete Neue Nationalgalerie, das Gebäude der Berliner Zeitung sowie das Jüdische Museum. Die Künstlerin bewegt, trägt oder wirft von ihr entworfene, starkfarbige Silikonfiguren. Sie wirbeln in der Luft, verdrehen sich und verdecken die Aussicht auf historisch bedeutende Orte Berlins. Die Standorte verweisen sowohl auf spezielle ästhetische Eigenschaften als auch auf bedeutende geschichtliche Entwicklungen der Stadt.

In deutscher und englischer Sprache
Eintritt frei


Sophia Gräfe ist Medien- und Kulturwissenschaftlerin und lebt in Marburg und Berlin. Sie war als Assistenzkuratorin und freie Autorin für die Kurzfilmtage Oberhausen, die transmediale, das Werkleitz Festival sowie für diverse Galerieprojekte und Künstlerstudios tätig. Derzeit forscht sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Philipps-Universität Marburg sowie am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin.

Kristina Paustian
(*1985 in Omsk, lebt in Berlin) arbeitet als Assistenz im Video-Forums des Neuen Berliner Kunstvereins sowie als Videokünstlerin. Studium der Kunst und Medien an der Universität der Künste (UdK) in Berlin. Ihr Schaffen wurde gefördert durch die Robert Bosch Stiftung, den DAAD, das Elsa-Neumann-Stipendium des Landes Berlin und die Kommission für künstlerische und wissenschaftliche Vorhaben der UdK. Für ihren ersten Dokumentarfilm ZAPLYV – Die Schwimmer (2015) erhielt sie den ARTE-Dokumentarfilmpreis. Sie ist Mitbegründerin des Medienkunstvereins mkv, Berlin.