Donnerstag, 15. April 2021, 12 Uhr
Step Out of the Strange Light – Panel 1

Mit Charlotte Eifler (Künstlerin, Leipzig) und Clarissa Thieme (Künstlerin, Berlin), Rajkamal Kahlon (Künstlerin, Berlin), Adnan Softić (Künstler*innen, Berlin), moderiert von Nataša Ilić (Mitglied des kuratorischen Kollektivs What, How & for Whom / WHW; Direktorin der Kunsthalle Wien)
In englischer Sprache

Anlässlich der Gruppenausstellung Step Out of the Strange Light bringt die Podiumsdiskussion Künstler*innen zusammen, deren Werke den Umgang mit Kriegsverbrechen im Kontext der Jugoslawienkriege sowie deren Aufarbeitung thematisieren. Die verschiedenen künstlerischen Arbeiten bieten je eigene Zugänge hierzu und beleuchten die Verfasstheit von Rechtssystemen und die Verantwortung der sogenannten „internationalen Gemeinschaft“ ebenso wie Erinnerungspolitik, Gerechtigkeitsbegriffe und Fragen der Selbstrepräsentation. Die Werke fungieren als Ausgangspunkt, um ausgehend von Debatten über die Geschichte Jugoslawiens die Folgen von historischem Revisionismus und der Relativierung von Gewaltdelikten mithilfe künstlerischer Strategien zur Diskussion zu stellen.



Charlotte Eiflers und Clarissa Thiemes Videoinstallation
Archival Grid (Preview, 2021) kombiniert Aufnahmen aus dem Archiv des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) mit digitalen Renderings von Tatorten, um Konzepte von Zeug*innenschaft und Beweisführung zu beleuchten. Rajkamal Kahlon holt in ihrer Aquarellserie “Dear Yugoslavia, I regret to inform you …” (2018) begangene Gräueltaten buchstäblich an die Oberfläche, indem sie historische Illustrationen von Trachtenkleidung aus den Balkanstaaten mit teils grausamen Szenen übermalt. Adnan und Nina Softićs Videoarbeiten The Silent Weaving of the Spirit und The Maidenhair Fern (beide 2021) untersuchen die Konstruktion bzw. Unterschlagung von Geschichte am Beispiel von Višegrad in Bosnien und Herzegowina – einer Stadt, die untrennbar mit Verbrechen und ethnischen Konflikten verbunden ist. Moderiert von der Kuratorin und Autorin Nataša Ilić, fächert das Gespräch Fragen nach kollektiver Schuld, Verdrängung und Geschichtsklitterung auf, die spürbar in die Gegenwart hineinreichen.


Charlotte Eifler (*1986 in Rostock, lebt in Leipzig, arbeitet in Berlin und Karlsruhe) hat einen Master in Theater- und Medienwissenschaften und schloss ihr Diplom in Bildender Kunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig ab. Derzeit lehrt sie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe Bildpolitik und Schnittpraxis. Ausstellungen und Festivals u. a.: Sapporo International Art Festival, Sapporo / Japan (2020); Staatliche Kunsthalle Baden-Baden (Solo, 2019); ISCP, New York (2019); Impakt Festival, Utrecht (2019).

Nataša Ilić (*1970 in Zagreb, lebt und arbeitet in Berlin und Wien) ist Kuratorin und Mitglied von What, How & for Whom (WHW), einem 1999 gegründeten Kurator*innenkollektiv mit Sitz in Zagreb, Wien und Berlin. WHW organisiert Produktions-, Ausstellungs- und Verlagsprojekte und leitet seit 2003 die städtische Non-Profit-Galerie Nova in Zagreb. Im Jahr 2018 starteten sie WHW Akademija, ein internationales Studienprogramm für aufstrebende Künstler*innen in Zagreb, das von Ana Dević geleitet wird. 2019 wurden die WHW-Mitglieder Ivet Ćurlin, Nataša Ilić und Sabina Sabolović als Künstlerische Leiterinnen der Kunsthalle Wien berufen.

Rajkamal Kahlon (*1974 in Auburn, Kalifornien / USA, lebt und arbeitet in Berlin) absolvierte 1999 ihren Master am California College of Arts. Sie ist Trägerin des Villa Romana-Preises, Florenz (2019) sowie des Joan Mitchell Painting and Sculpture Award, New York (2006). Kahlon präsentiert ihr Werk in zahlreichen Vorträgen, zuletzt u. a. im Haus der Kulturen der Welt, Berlin (2019). Ausstellungen u. a.: Galerie Wedding, Berlin (Solo, 2019); Weltmuseum Wien (Solo, 2017–2019); Neue Gesellschaft für bildende Kunst, Berlin (2017).

Adan Softić (*1975 in Sarajevo / Bosnien und Herzegowina, lebt und arbeitet in Berlin) schloss 2007 sein Studium in Film und Ästhetischer Theorie an der Hochschule für bildende Künste Hamburg ab. Sein Werk wurde u. a. mit dem Hauptpreis der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur (2018) prämiert. Seit 2013 arbeitet er zusammen mit Nina Softić (*1974 in Köln) an zahlreichen Projekten zusammen. Ausstellungen ihrer gemeinsamen Werke zuletzt u. a.: Johann Jacobs Museum, Zürich (2019–2020); Collegium Artisticum, Sarajevo (Solo, 2019); MAXXI Museo nazionale delle arti del XXI secolo, Rom (2018–2019); Berlinische Galerie (2018); Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg (2018).

Clarissa Thieme (*1976 in Oldenburg, lebt und arbeitet in Berlin) studierte Medienkunst bei Thomas Arslan und Heinz Emigholz an der Universität der Künste Berlin (UdK) und ist Research Alumna des Berlin Center for Advanced Studies in Arts and Sciences (BAS). Thieme präsentierte ihre Arbeiten im Rahmen zahlreicher Ausstellungen und Festivals, zuletzt u. a.: Anthology Film Archives, New York (2021); Rencontres Internationales Paris / Berlin (2021); Haus der Kulturen der Welt, Berlin (2020); Berlinale Forum (2020).


Eine zweite Paneldiskussion anlässlich der Ausstellung
Step Out of the Strange Light setzt sich im Kontext der Jugoslawienkriege mit Beziehungen zwischen einer Transitional Justice (Vergangenheitsarbeit) und künstlerischen Praktiken auseinander. Für Panel II wurden Künstlerinnen, Schriftstellerinnen und Filmemacherinnen eingeladen, die sich aus feministischer Perspektive mit Analysen jener Strukturen beschäftigen, die das Leben von Frauen in von ehemaligen militärischen Konflikten gezeichneten Gesellschaften prägen. Hier geht es zum Video der zweiten Paneldiskussion.