Boris Mikhailov


Boris Mikhailovs facettenreiches fotografisches Werk umfasst Sozialreportagen, Selbstinszenierungen und Fotocollagen. Als Autodidakt begann er in den 1960er Jahren zunächst Menschen aus seinem privaten Umfeld sowie Alltagsszenen zu fotografieren. In der ehemaligen Sowjetunion diente Fotografie hauptsächlich Propagandazwecken und war offiziell nicht als künstlerisches Medium anerkannt. Der Mangel an Ausstellungsmöglichkeiten und die strenge Zensur brachten Mikhailov dazu, seine Werke zunächst in Fotobüchern zu versammeln. Internationale Bekanntheit erlangte er durch seine umfangreiche Fotoserie Case History, aus der auch das Motiv der n.b.k. Edition stammt. Die 1997–1998 in seiner ukrainischen Heimatstadt Charkiw entstandenen Aufnahmen zeigen die Schattenseiten der Perestrojka, so den Verlust sozialer Strukturen, der sich u. a. in Obdachlosigkeit spiegelt. Mikhailov porträtiert marginalisierte Gruppen hautnah in der Peripherie ihrer Existenz, in verwahrlosten Innenräumen, auf der Straße oder auf dem Feld. Mikhailov versteht seine Porträts nicht allein als Studien des Elends, sondern auch als Metaphern des Lebens, sie suggerieren zugleich zwischenmenschliche Nähe, Intimität und Zuneigung. Boris Mikhailovs Arbeiten wurden weltweit präsentiert u. a.: C/O Berlin (2019); Staatliche Kunsthalle Baden-Baden (2019); Ukrainischer Pavillon auf der Biennale in Venedig (2017); Museo d’Arte Contemporanea Donna Regina, Neapel (2015); Sprengel Museum Hannover (2013); Berlinische Galerie (2012), Museum of Modern Art, New York (2011); Tate Modern, London (2010); Kunsthalle Wien (2010).



Untitled, a. d. S. Case History
1997/1998/2021, C-Print, 30,5 × 45,6 cm, Auflage 5 + 1 AP, signiert, datiert und nummeriert
6.600 Euro Mitglieder, 7.100 Euro Nichtmitglieder