Moderato 120


Still


1986, 00:14:03, PAL, Farbe, Ton, J003 04


In ihrer Videoarbeit Moderato 120 versetzt Kirsten Johannsen narrative Elemente aus der Erzählung Der Sandmann (1816) von E. T. A. Hoffmann in die unmittelbare Gegenwart. Der männliche Protagonist Nathanael beobachtet mit offenbar wissenschaftlichem Interesse an einem Bildschirm Aufnahmen einer barocken Gartenanlage, in der immer wieder eine weibliche Person auftaucht und verschwindet: Olimpia, die in Hoffmanns Erzählung eine automatisierte Holzpuppe ist, vollzieht in Johannsens Version eine mechanische Choreografie und scheint vom Bildschirm aus mit Nathanael Kontakt aufnehmen zu wollen. In Anlehnung an das Zusammenspiel von Realität, Fantasie und Wahn in Hoffmanns Erzählung, vermischen sich im Video verschiedene Formen medialer Repräsentation und Bildproduktion. Immer wieder durchbricht Johannsen die animierten Sequenzen von Schwarz-Weiß-Fotografien, in denen sie etwa auf den in der Erzählung beschriebenen Kampf zwischen Coppelius und Spalanzani um Olimpia mit Aufnahmen zweier kämpfender Fechter Bezug nimmt. Als Grundthema zieht sich das Kompositionsprinzip der Fuge durch das Video, wobei die Bilder folgen der musikalischen Form von Thema und Imitation.